• Wirtschaft und Kunst - Tagesspiegel lädt medienbegeisterte Abonnenten ins Foyer der Vereinigten Energiewerke AG

Kultur : Wirtschaft und Kunst - Tagesspiegel lädt medienbegeisterte Abonnenten ins Foyer der Vereinigten Energiewerke AG

Colin Guthrie King

Es mischen sich junge Menschen in einem langen, mit karger, sachlicher Malerei geschmückten Foyer. Während farbige Formen und Bilder auf einer langen, semi-transparenten Glaswand flimmern, spielt eine junge Jazzband heitere Standards. Der Tagesspiegel hatte Medieninteressierte Abonnenten in die Hauptverwaltung der Vereinigten Energiewerke AG (VEAG) geladen. Vorgestellt wurde das, worauf die Lichter spielen: die neue Medienfassade der VEAG. Diese besteht aus fünf waagerechten und dreizehn senkrechten Scheiben des besonderen Glasstoffes "Pyralight" - ein Stoff, der sich elektronisch durchsichtig machen lässt und als Fläche für Filmprojektionen dienen kann.

Auf die Medienfassade werden drei aufeinander folgende Bildschleifen projiziert, welche die Passanten an der Chausseestraße für eine Strecke von etwa dreißig Metern begleiten. Bildsequenzen des hallensischen Medienkünstlers Fred Fröhlich, von der jugoslawischen Künstlergruppe "association Apsolutno" sowie von Ceal Floyer aus London werden in Schleifen von ein bis zwei Minuten auf die Fassade gestrahlt. Frauenlippen bewegen sich in acht nebeneinander stehenden Rahmen in gesteigerter Bildfolge, bis alle Sequenzen schließlich in koordinierter, gleichzeitiger Bewegung enden (Apsolutno). Abstrakte Formen ändern ihre Farben und blenden ineinander über (Fred Fröhlich) und eine langsam steigende, wässrige Linie deutet schlicht auf das Steigen einer Flüssigkeit im Glas (Ceal Floyer).

Dieter Daniels von der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig erzählt den kunstinteressierten Tagesspiegel-Abonnenten, welches medientheorethische Konzept hinter der Fassade steht: Durch die schnellen Bildfolgen entstehe ein visueller Strom, in dem "die Ästhetik einer autonomen Bildsprache" zur Geltung komme. Im Umgang mit dieser Sprache entwickle man eine "visuelle Grammatik", die übrigens auch zur Standardkompetenz neuer, zukünftiger Berufsfelder werde - ratgebende Worte für jene, auf die dieses Projekt abzielen soll. In diesem Sinne betont Daniels in seiner Einführung zu den verschiedenen Projekten der jungen, aufstrebenden Medienkünstler das synergetische Zusammenspiel von Popkultur und Avantgarde.

Doch nicht nur die Ästhetik neuer Medien wie der Videokunst findet ihre Auslegung an diesem Abend. Die neuen Medien stiften auch an zum Nachdenken über die Kunst als Wirtschaftsfaktor. Solche Überlegungen greift Thomas Simeon auf, Professor am Fachbereich Wirtschaftskommunikation der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik in Karlshorst. Er erläutert die Beziehung zwischen Wirtschaft und Kunst mit der Anmerkung, Firmen würden zunehmend vom Staat die Finanzierungsrolle im Kunstbetrieb übernehmen. Im Wechselverhältnis zwischen neuen Medien und moderner Wirtschaft entstehe der für beide vorteilhafte Tauschhandel "Kunst gegen Kommunikation". Damit sei der Gegensatz "Ökonomie - Kultur" nicht aufgehoben, es verändere sich lediglich der Standort der Kunst.

Auf die Frage, was sie von dem Ganzen halte, antwortet eine junge Jurastudentin: "Wahnsinn! Aber ist das alles nicht ein bisschen zu teuer?" Da war er wieder, der ewige Gegensatz von Geld und Kunst.

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