Kultur : Wissenschaftspark "Albert Einstein": Hilfe für Potsdamer Riesenteleskop

Helmut Caspar

Das Astrophysikalische Observatorium und die anderen Bauwerke und wissenschaftlichen Geräte auf dem Potsdamer Telegrafenberg, jetzt Wissenschaftspark "Albert Einstein", haben Hilfe dringend nötig. Verglichen mit der Situation von vor zehn Jahren ist schon viel erreicht. Einige aufwändig dekorierte Ziegelbauten aus der Kaiserzeit strahlen bereits in altem Glanz. Doch sind Land und Stadt Potsdam sichtlich überfordert, die Riesensummen aufzubringen, die die weitere Restaurierung dieses deutschlandweit einmaligen Ensembles von Bau- und Technikdenkmalen erfordert.

Da kommt die Gründung einer mit Millionen ausgestatteten privaten Stiftung, die sich dieser Bauten und ihrer wertvollen Ausstattung annehmen will, gerade zur rechten Zeit. Jetzt wurde unter der Riesenkuppel des Astrophysikalischen Observatoriums die Pietschker-Neese-Stiftung vorgestellt, die nunmehr 84. Einrichtung dieser Art in Treuhänderschaft der in Bonn ansässigen Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

In den kommenden Jahren wollen die Stifter eine Serie von denkmalpflegerischen Maßnahmen auf dem Telegrafenberg finanzieren, beginnend mit dem einhundert Jahre alten Großen Refraktor im Astrophysikalischen Observatorium, wenige Schritte vom Einsteinturm entfernt. Wie hoch das Stiftungskapital ist, wurde nicht mitgeteilt, doch handelt es sich um eine siebenstellige Summe. Zustiftungen und Spenden, auch wenn sie nur kleine Beträge umfassen, seien darüber hinaus stets willkommen. Wer die Stifter sind, wird nicht preisgegeben. Dem Vernehmen nach sind sie in Hamburg ansässig und haben enge verwandtschaftliche Verbindungen nach Potsdam. In dem Zusammenhang wird von der Industriellenfamilie Siemens gesprochen.

Potsdams Stadtkonservator Andreas Kalesse will mit den Arbeiten auf dem Telegrafenberg so bald wie möglich beginnen. Zunächst muss der Große Refraktor, ein ausgeklügelt konstruiertes Linsenteleskop mit einem Gewicht von sieben Tonnen zum Fotografieren, Messen und Beobachten von Himmelskörpern bis zu kleinsten Lichtstärken, gründlich untersucht, vielleicht auch in seine Einzelteile zerlegt werden. Erste Durchsichten hätten ergeben, dass sich das 1899 vollendete und in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts noch einmal umgebaute Gerät in einem vergleichsweise guten Zustand befindet, gemessen an den Schäden aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, als die 200 Tonnen schwere Observatoriumskuppel löchrig war und Regen durchließ. Ziel ist es, das Instrument wieder voll funktionstüchtig zu machen und den Kuppelsaal zu sanieren. Nach Abschluss der Arbeiten, deren Umfang, Dauer und Kosten noch nicht bemessen werden können, soll der Refraktor dem interessierten Publikum vorgeführt werden. Das ist ganz im Sinne der Pietschker-Neese-Stiftung, die großen Wert darauf legt, dass sich der Telegrafenberg mit seiner bedeutenden Architektur in der Schinkel-Tradition und den kostbaren, zum Teil weltweit einmaligen Geräten dem Publikum weit öffnet. Schon jetzt werden am 16. August und 21. September sowie am 9. September, dem "Tag des offenen Denkmals", Führungen durch das Astrophysikalische Observatorium und die anderen unter Denkmalschutz stehenden Bauten auf dem Telegrafenberg angeboten.

Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka nahm die Gründung der Pietschker-Neese-Stiftung zum Anlass, grundsätzlich privates Engagement und Mäzenatentum im Bereich von Denkmalpflege und Denkmalschutz zu loben. Auch in Zeiten angespannter Finanzmittel gebe es keine Abstriche an den Landesmitteln für das Förderprogramm "Dach und Fach" von 2,7 Millionen DM. Mithin würden auch die Komplementärgelder des Bundes in gleicher Höhe für die Sanierung gefährdeter Bauwerke in Anspruch genommen. Die Preußische Schlösserstiftung erhalte in diesem Jahr vom Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg 23,3 Millionen DM, bestimmt für Erhaltungsmaßnahmen. Einer Landesstiftung Denkmalschutz erteilte die Ministerin eine Absage.

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