Kultur : Wo Amor und Psyche Hochzeit feiern

Jagdbeute: Vorbesichtigung zur Frühjahrsauktion im Berliner Auktionshaus Bassenge

Michaela Nolte

3200 Lose mit einem Schätzwert von insgesamt 3,1 Millionen Euro bietet das Auktionshaus Bassenge im Rahmen seiner diesjährigen Frühjahrsauktionen an. Die stets exquisite Abteilung altmeisterlicher Druckgraphik offeriert neben hochwertigen Blättern von Lucas Cranach d. Ä. bis Martin Schongauer auch in diesem Jahr wieder einige Preziosen von musealem Rang. Albrecht Dürers Kupferstich „Das Meerwunder“ führt die Preisspitze mit 60 000 Euro an. Daneben bestechen aus dem Konvolut von 26 Grafiken des Nürnberger Meisters „Der heilige Hubertus“ mit geschätzten 24 000 Euro sowie der späte Holzschnitt „Das letzte Abendmahl“ (Schätzpreis 12 000 Euro).

Ob seiner vortrefflichen Gabe berühmte Vorbilder nachzuempfinden, wurde Hendrik Goltzius von Zeitgenossen bisweilen mit Dürer verwechselt. Die „Hochzeit von Amor und Psyche“ ist jedoch eindeutig einer Zeichnung Bartholomäus Sprangers zuzuschreiben. 12 000 Euro werden für das himmlische Bankett erwartet, das Goltzius 1587 als Kupferstich von drei Platten fertigte.

Recht weltlich gestaltete Pieter Brueghel d. Ä. „Die Hochzeit von Mopsus und Nisa“. Das genreartige und amüsante Motiv, 1570 vom Kupferstecher Hieronymus Cock gedruckt, ist auf 6000 Euro taxiert. Ob der Wahrsager Mopsus der Vermählung seines Argonauten-Freundes Jason mit Creusa beiwohnte, ist nicht überliefert. Anwesend ist auf Rembrandts Radierung und Kaltnadel das Unheil in Gestalt der verschmähten, ersten Gattin: „Medea oder die Hochzeit des Jason und der Creusa“ wird mit einer Taxe von 28 000 Euro aufgerufen. Eine Rarität stellt die Bleistiftstudie einer Eiche dar, die Caspar David Friedrich 1809 im Hinblick auf die „Abtei im Eichwald“ zeichnete. Die auf 45 000 Euro geschätzte Studie, die rückseitig das Fragment einer Rügen-Ansicht enthält, steht dem Markt seit über siebzig Jahren zum ersten Mal zur Verfügung.

Das Hauptwerk der 81. Auktion bei Bassenge stammt jedoch aus dem 20. Jahrhundert. Mit Spannung darf man erwarten, ob Ernst Wilhelm Nays „Jagdbeute“ bei geschätzten 150 000 Euro auch den Sammlerinstinkt wecken wird. Die Leinwand aus der Phase der „Fugalen Bilder“ gelangte bereits im Entstehungsjahr 1951 auf die wegweisende, erste Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin. Mit eben diesem Gütesiegel versehen ist das leuchtend kolorierte „Sonnenhorn“ des 1997 verstorbenen Heinz Trökes, für das 12 000 Euro erwartet werden. Im Bereich der Klassischen Moderne dürfte auch Emil Noldes reizvoller Farbholzschnitt „Frau und Mann“ für 28 000 Euro Begehrlichkeiten wecken.

Weniger Hochkarätiges, dafür manche Entdeckung bieten die 450 Fotografie-Lose. Drei Autochrome – ein von Louis Lumière mit Hilfe von Kartoffelstärke entwickeltes Verfahren der Farbfotografie – 1911 von einem Anonymus aufgenommen, werden für nur 150 Euro angeboten. Alfred Stieglitz, der diese Methode ebenfalls praktizierte, ist mit einer Photogravure vertreten, die den Hoppegarten im Jahre 1904 „Going to the Start“ zeigt und auf 3000 Euro geschätzt wird. Michael Kennna, in Amerika lebender Brite, den es in Deutschland noch zu entdecken gilt, haben die berühmten Klippen von Étretat zu einem faszinierend bizarren Naturspiel inspiriert. Das insgesamt runde und solide Angebot bei Bassenge lässt ein ebenfalls inspiriertes Publikum erwarten.

Auktionshaus Bassenge, Erdener Straße 5A, Vorbesichtigung bis 21. Mai; Sonnabend sowie Montag bis Mittwoch 10–18 Uhr, Sonntag 12–17 Uhr. Vorbesichtigung Fotografie, Dekorative Grafik, Miscellaneen & Trouvaillen: Donnerstag 29. Mai, 10–17 Uhr.

Auktionen am 23. und 24. Mai.

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