Kultur : Wo der Boss am besten war

ROCK

Andreas Conrad

New Yorker Cops werden „The Essential“ , das neue Album von Bruce Springsteen (Sony Music), vielleicht boykottieren, zählt doch der Boss zu seinen wesentlichen Songs auch einen Live-Mitschnitt von „American Skin (41 Shots)“. Mit 41 Schüssen hatten vier Polizisten im Februar 1999 den Einwanderer Amadou Diallo niedergestreckt und waren – 41 Mal vermeintliche Notwehr! – freigesprochen worden. Springsteen machte daraus einen bitterbösen Song, woraufhin Polizeigewerkschaft und Polizeiführung zum Boykott seiner New Yorker Konzerte im Sommer 2000 aufriefen. Gesungen hat er trotzdem. Die anderen Zielgruppen aber werden bestens bedient: Die Gelegenheitsfans mit schlecht sortiertem Plattenschrank erhalten nun auf zwei CDs mit 30 Songs einen Querschnitt durch Springsteens 30-jährige Karriere, von den jugendfrischen „Greetings from Asbury Park N. J.“ bis zu „The Rising“, Springsteens Antwort auf den 11. September. Für die treuen Springsteen-Enthusiasten ist solch eine „Best of“-Auswahl, wie immer man sie nun nennt, überflüssig, sie haben die Alben, aus denen dies alles stammt, ja ohnehin. Aber die zwölf Stücke der Bonus-CD finden sie darauf eben nicht, und schon wegen dieser selten gespielten oder sogar unveröffentlichten Raritäten lohnt sich „The Essential“ allemal. Elvis Presleys alter Heuler „Viva Las Vegas“ findet sich ebenso darunter wie der Titelsong zu Tim Robbins’ „Dead Man Walkin’“, dazu kaum bekannte Stücke aus dem Umfeld des „Nebraska“-Albums oder eine akustische Blues-Version von „Countin’ on a Miracle“. Zum Song über eine Familie, die am 11. September vergeblich auf ein Wunder hofft, passt das sogar besser.

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