Kultur : Wo die roten Punkte kleben

Her mit der Konkurrenz: Im Wettbewerb der Kunstmessen setzt die spanische Arco auf Internationalität. Zweitgrößtes Teilnehmerland ist Deutschland.

Katrin Wittneven

In Madrid ist der Frühling bereits angekommen, und die sonnige Leichtigkeit reicht bis in die Hallen der Arco hinein: Es glitzert und schillert in den über 22000 Quadratmeter großen Messehallen, dass es schon nach kurzer Zeit vor den Augen flimmert. 277 Galerien sind auf der spanischen Kunstmesse zu Gast, traditionell kommt die Hälfte von ihnen aus dem eigenen Land. Zweitgrößtes Teilnehmerland ist Deutschland mit dreißig Galerien. Insgesamt sind Kunsthändler aus 23 Ländern vertreten, darunter auch Gäste aus Asien und Afrika.

Obwohl die Händler vor allem die Hoffnung auf gute Umsätze lockt, ist der Verkauf von Kunst inzwischen nur ein Aspekt des weitreichenden Netzwerkes Arco: Zahlreiche spanische Firmen und Institutionen werben hier für ihre Sammlungen, und auch die kaum zu überblickende Anzahl von Sonderprogrammen reicht weit über die Messe hinaus. So wurden in diesem Jahr Nachwuchskünstler und bedeutende Sammler ausgezeichnet, Kuratoren organisieren eigene Sektionen – unter anderem einen Schwerpunkt zeitgenössischer Kunst aus Griechenland – und begleitende Ausstellungen im Stadtzentrum. Die erstaunlichen Besucherzahlen, im letzten Jahr waren es knapp 200000 Gäste, bestätigen das Konzept der Messe, die auch einen großen Kongress umfasst und in Spanien vor allem als gesellschaftliches Ereignis gilt, das in der Eröffnung durch die spanische Königin ihren Höhepunkt erfährt.

Lange hatten spanische Sammler den Ruf, vor allem ihren nationalen Größen zu folgen. Obwohl sich viele von ihnen längst der internationalen Kunst geöffnet haben, zeigen die angereisten Galerien gerne spanische oder süd-amerikanische Größen: Im Dalí-Jubiläumsjahr gibt es etwa bei der Kölner Galerie Orangerie-Reinz Goldobjekte (4500-35000 Euro) und eine Skulptur des Surrealisten (75000 Euro). Und auch die Pariser Galerie „1900*2000“ zeigt ein kleines Dalí-Gemälde, verkaufte allerdings am ersten Tag eine surreale Landschaft von dem Maler Óscar Domínguez für 300000 Euro. Erstaunlich viele Werke sind von Picasso zu sehen; das schönste wohl eine große Liegende aus dem Jahr 1948 bei dem Kunsthändler Nahmad aus London (Preis nur auf Anfrage).

Im Überangebot der Messe setzen viele auf Hingucker: sehr erfolgreich etwa die kanadische Arcore /Fabrice Marcolini Gallery. Sie zeigt eindrucksvolle, zum schmalen Oval verzerrte „Gesichter“ des Bildhauers Evan Perry, die bereits nach wenigen Stunden verkauft waren (22000 Dollar). Bei den Einzelpräsentationen im Sektor „Up and Upcoming“ fallen die farbigen, an Straßenmalerei erinnernden Gemälde des 1978 in Costa Rica geborenen Federiko Herrero auf, den die Düsseldorfer Galerie Sies + Höke an einem Gemeinschaftsstand mit der großen spanischen Galeristin Juana de Aizpuru präsentiert. Auch die anderen Grand Dames des spanischen Handels waren gleich am ersten Tag äußerst erfolgreich: Bei Helga de Alvear oder Soledad Lorenzo konnten bereits kurz nach Eröffnung die ersten roten Punkte geklebt werden, etwa bei Fotografien von Axel Hütte oder einer großen Wandarbeit Robert Longos (75000 Dollar). Bei Lorenzo weckt zudem eine kleine Frotteefigur der großen Bildhauerin Louise Bourgeois Begehrlichkeiten, für die allerdings 275000 Euro aufgebracht werden müssen.

Einsteiger machen naturgemäß eher bei der Fotografie und jungen Kunst ihre Funde, doch auch hier steigen die Preise rasant. War im letzten Jahr ein Gemälde von dem Newcomer Norbert Bisky bei der Berliner Galerie Schultz noch für 11000 Euro zu bekommen, musste ein Sammler in diesem Jahr schon 19000 Euro bezahlen.

Auf der Arco setzten die Veranstalter angesichts steigender Konkurrenz großer Kunstmessen auf Kooperationen. Neu ist etwa eine Zusammenarbeit mit der New Yorker Armory Show (12. – 15. März); beide wollen zukünftig gemeinsam Veranstaltungen organisieren. Doch verursachen diese Partnerschaften schon jetzt auch Unübersichtlichkeiten; so präsentieren in den Hallen auch spanische Nachwuchsdesigner ihre Möbel. Die Unterschiede zwischen Dekor, Design und Kunst beginnen zu verschwimmen. Aber so lange die Verkäufe am Ende stimmen, nehmen die Aussteller das mit südländischer Gelassenheit.

Arco 04, Feira de Madrid, bis 16. Februar, Mehr Informationen im Internet unter: www.arcospain.org .

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