Kultur : Wo die schönen Trompeten blasen

KLASSIK

Sybill Mahlke

Die Frau in der Männerdomäne des Pultstars wird noch als Rarität gehandelt. Es sind zu wenige, die an die Spitze gelangen, weil die Basis weiblichen Dirigierens schwächelt. Trotzdem kann es eine Simone Young schaffen, an der Hamburgischen Staatsoper GMD zu werden. Dass der Sprung vom Nachtprogramm in die beste Sendezeit möglich ist, haben eben die Fußballfrauen bewiesen. Dazu mussten sie aber erst die Chance zur Weltmeisterschaft einbringen. Die Zeit der Regisseurin ist da, die der Dirigentin im Kommen. Die Konzertdirektion Adler präsentiert nun in der Berliner Philharmonie das Bournemouth Symphony Orchestra , dessen künstlerische Leitung Marin Alsop aus New York übernommen hat. Ihre brillante Technik und federnden Sprünge rufen den Lehrmeister Bernstein in Erinnerung, Lennie at his best. Um zu siegen, eignen sich die Sinfonischen Tänze von Rachmaninoff. Die werden mit beachtlicher Orchesterkultur serviert. Alsop gebietet über Präzision und Feuer. Das verleitet sie, sich in einem Stück wie „Rapture“ von dem Amerikaner Christopher Rouse, das zu donnernder Beschleunigung neigt, allzu aufwendig abzurackern. Schade, dass sie ihr Tourneeprogramm so überwiegend mit Oberflächenmusik bestückt. Was in ihr als Interpretin steckt, lässt die Begleitung einiger Mahlerlieder ahnen. Über dieser sensiblen Kunst des ritardando und a tempo im „Rheinlegendchen“ kann man die Solistin Yvonne Naef vergessen. „Wo die schönen Trompeten blasen“: Warum der Komponist mit schöpferischen Textmutationen arbeitet, bleibt dunkel, wenn kein Text zu verstehen ist. Aber es müsste spannend sein, unter Alsop eine Mahlersinfonie oder den „Sacre“ zu erleben.

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