Kultur : Wo die Zitronen blühen

Steffen Richter

unternimmt eine italienische Reise „Gehst du nach Italien“, bettelt Mignon bei Goethe, „so nimm mich mit, es friert mich hier.“ Zurzeit ist Italien nicht gerade populär. Das „Belpaese“ schlägt sich mit ernsthaften Imageproblemen herum: Sein Ministerpräsident hat offenbar nicht viele Freunde in Europa. Fürs D-Day-Jubiläum in Frankreich erhielt er auch keine Einladung. Derweil blamiert sich die Squadra Azzurra in Portugal. Und Totti spuckt.

Mitten in diese ungute Stimmung platzt „Italien im Gegenlicht“ – ein kleines Festival und eine Manifestation des anderen Italiens. Zwei Wochen lang wird im Kolonnadenhof der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel aus Büchern gelesen, debattiert und großes Kino gezeigt. Es gibt ein Wiedersehen mit Ugo Perone, dem geschassten Leiter des Italienischen Kulturinstituts, der Berlin im vergangenen Sommer die so strahlenden wie selbstkritischen Festivals „La Piazza“ und „La dolce Vita“ bescherte. Nun kehrt er immerhin als Moderator zurück.

Seinen Namen verdankt „Italien im Gegenlicht“ einem Buchtitel des Historikers Joachim Fest. Der ließ seine italienische Reise zur gestrigen Eröffnung tief im Mezzogiorno beginnen. In jenem Sizilien, das auch das Terrain von Leoluca Orlando ist. Dessen Buch „Der sizilianische Karren“ (Ammann) erzählt von den beiden Rädern des italienischen Gefährts, die tief im Schlamm stecken: der korrumpierten Justiz und der brach liegenden Kultur. Orlando liest am 25.6. (20 Uhr).

Zum wichtigsten kulturellen Inventar Palermos zählen die Erinnerungsorte an Tomasi di Lampedusa. Seinen Weltbestseller „Der Leopard“, der das Heraufdämmern einer vulgären, skrupellosen Herrscherklasse inszeniert, hatte Visconti 1962 verfilmt. Mit diesem Film startet am 26.6. (21.45 Uhr) die Hommage an Claudia Cardinale, Fellinis Meisterwerk „8½“ ist am 28.6. auch dabei (22 Uhr).

Enden wird „Italien im Gegenlicht“ am 5.7. mit einem literarischen Paukenschlag, dem Erzähler Gianni Celati . Doch zuvor untersuchen Antonella Romeo und Vanna Vannuccini, aus welchen Gründen Italiener Deutschland lieben könnten und wie es um „La deutsche Vita“ bestellt ist. Piero Badolini und Helmut Böttiger werden vielleicht klären, was eigentlich mit Totti los ist und ob der Catenaccio eine Zukunft hat. Zu allem serviert man auf der Museumsinsel feine Aperitifs aus der Basilicata. Sie werden sehen, Italien ist besser als sein gegenwärtiger Ruf. Ein Blick auf das hiesige Thermometer gibt Mignon ohnehin Recht.

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