Kultur : Wo es nach Jod riecht

ARCHITEKTUR

Frank Peter Jäger

Mit dem Stichwort Krankenhaus verbindet jeder ganz eigene Erinnerungen, man entsinnt sich an Blinddarmoperationen oder Bandscheibenvorfälle – und daran, dass man froh war, als man Krankenzimmer, Jodgeruch und endlose Korridore wieder hinter sich lassen konnte. An Krankenhäuser denkt man nicht gerne, entsprechend schwer ist es für Architekten, mit ebendieser Bauaufgabe Anerkennung zu gewinnen.

Das Berliner Büro Stefan Ludes Architekten, verdient seit einem halben Jahrhundert vor allem mit Bauten des Gesundheitswesens sein Geld. Jetzt präsentieren die Architekten die wichtigsten Projekte der vergangenen Jahre in einer Ausstellung (Charitéstraße 10, Mitte, bis 10. Oktober, täglich 16–20 Uhr, Katalog 49,90 €). Sie lässt keine Zweifel daran, dass es auch anders geht: Die vom Büro Ludes verwirklichten Gebäude in Berlin, Rostock, Hamburg oder Mainz öffnen sich weit zu ihrer Umgebung und erinnern eher an schicke Firmenzentralen oder Hotels – die Architektur ist repräsentativ und großzügig. Als wiederkehrendes Motiv zeigt sich die großmaßstäbliche Plastizität der Gebäude. Es sind mit viel Sinn für Raumdramaturgie miteinander verzahnte, rechtwinklige oder auch amorphe Baukörper. Das technische Innenleben mag noch so umfangreich sein, Ludes und seine Kollegen gewinnen der komplizierten Bauaufgabe auf verschiedenste Weise Ovalformen in Gestalt von Foyers oder Speisesälen ab. Die Vielschichtigkeit ihrer Architektur, kombiniert mit warmen Materialien wie Klinker oder Terrakotta-Verblendungen, lässt die Bauten durchaus nicht steril erscheinen. Wenn sie für die Patienten eindrucksvolle Ausblicke und erstaunliche Raumerlebnisse bereithalten, macht das den Aufenthalt zwar nicht kürzer, aber kurzweiliger.

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