Kultur : Wo Kunst regiert

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von Christina Tilmann

Sein Terminplan ist voll wie immer, fünf Wochen vor der Wahl. Nur: Angela Merkel macht Wahlkampf, Gerhard Schröder hat Kunsttermine. Überall: eine Buchvorstellung „Die Kunst im Kanzleramt“, mit anschließendem Empfang ebendort. Am Tag darauf eine Buchvorstellung des Bildbands „Mensch, Schröder“ bei Dussmann. Dann bei der „Stiftung Deutsches Kabarettarchiv“ in Mainz ein „Stern der Satire“ zu Ehren des bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt – Laudatio: Gerhard Schröder. Und am kommenden Sonntag wird im Garten des Kanzleramts die Skulptur „No Violence“ des schwedischen Bildhauers Carl Fredrik Reuterswärd in Form von zwei verknoteten Pistolen enthüllt. Die Laudatio hält Günter Grass. Mit dabei: der Bundeskanzler.

Verschränkte Hände und verknotete Pistolen, Stern und Satire, der Kanzler als Mensch und das Kanzleramt als Museum: Das hat Symbolwert. Dass Gerhard Schröder sich besonders für bildende Kunst interessiert, hat er immer wieder unter Beweis gestellt. Selten aber so gut gelaunt, braungebrannt, entspannt und eindrucksvoll wie in diesen heißen Wochen vor der Wahl. Als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt: Während die CDU ihr Kompetenzteam zusammenstellt, hält Schröder Hof im Kanzleramt, umgibt sich mit Künstlern. Ein Sonnenkönig, der seine Steckenpferde pflegt. Einübung für die Zeit danach?

Ende August übrigens, wenn in Berlin Tag der offenen Tür ist und alle Welt ins Bundeskanzleramt strömt, weilt der Kanzler daheim in Hannover. Natürlich nicht ohne Grund: Im Kunstverein Hannover wird der Preis „Aus gegebenem Anlass“ an den Künstler Jochen Gerz verliehen. Die Laudatio hält: Gerhard Schröder. Aus gegebenem Anlass haben 25 Künstler Schröder ein Abschiedsgeschenk gemacht. Passenderweise handelt es sich um 41 künstlerisch gestaltete Stühle. Die kann man Schröder schließlich vor die Tür stellen.

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