Kultur : Wo Teppiche das Fliegen lernen

William Robinson resümiert 250 Jahre Auktionen islamischer Kunst

Laura Weißmüller

Wie langweilig sind doch heutige Auktionen: Da kommen bis zu 500 Objekte unter den Hammer, die Informationen stehen im Katalog, und so dauert es meist nur ein paar Minuten und – zack! – ist der Kauf getätigt. Wie aufregend muss es dagegen früher gewesen sein, als der Auktionator durch schillernde Beschreibungen versuchte, die Ware unters Volk zu bringen. James Christie, der Gründer des ältesten Auktionshauses der Welt, war bekannt dafür, mit Worten eine bietfreudige Atmosphäre zu schaffen. Seit der ersten Auktion am 5. Dezember 1766 in London versteigerte er dabei auch islamische Kunst. Inzwischen ist das Haus in zahlreiche Departements unterteilt und William Robinson der Experte für islamische Kunst. Anlässlich des 100. Geburtstages des Berliner Museums für Islamische Kunst hielt er in der vergangenen Woche einen Vortrag zur knapp 250-jährigen Geschichte der Auktionen von kostbaren Teppichen, Handschriften und Keramiken.

Anfangs war der Katalog nicht mehr als ein dünnes Heftchen mit spärlichen Angaben. Datierung, Größe, Ikonographie – alles, was heute wichtig ist – tauchte so gut wie nie auf. „Aus einem Katalog herauszufinden, um welche Dinge es sich damals handelte, ist häufig frustrierend,“ erzählt Robinson. Manchmal halfen Zufälle, wie bei der Versteigerung der Sammlung von Herzog Hamilton 1882. Nur durch ein 1844 entstandenes Gemälde konnte eine Lampe identifiziert werden, die bei der Auktion dann 2713 Pfund erzielte. Damals war das ein Spitzenpreis. Heute hält ein Keramikgefäß für 3300000 Pfund den Rekord.

Vom Weltgeschehen ließ sich dieses Segment des Kunstmarktes kaum beeindrucken, nur einige Monate nach dem Ende des ersten Weltkriegs konnte Christie’s einen Teppich für 13000 Pfund versteigern. Ähnlich teilnahmslos beschreibt Robinson die Auswirkungen des Irak-Krieges: „Der Krieg hat den Markt für islamische Kunst nicht beeinflusst.“ Ein Problem mit Plünderungen, Diebesgut und Fälschungen sehe er nicht: „Schon lange davor hat Christie’s angefangen, sorgfältig mit der Provenienz umzugehen“, behauptet er. Langfristig prognostiziert er eine positive Entwicklung. Wichtig seien Geschichte und Seltenheit eines Kunstgegenstandes. Am meisten aber wiege die Schönheit. So gesehen hat sich doch nicht alles geändert.

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