Kultur : Wörter malen

KUNST

Michael Nungesser

Wie Worte Eingang finden ins Bild, kann man an Picassos kubistischen Gemälden derzeit in der Neuen Nationalgalerie nachvollziehen. Die Kunst-Premiere des neu eröffneten Instituto Cervantes am Hackeschen Markt (Rosenstr. 18-19) widmet dem Thema nun eine historische Schau (bis 25. April). Ausführlich verfolgt Kurator Pablo J. Rico im Katalog die neue Kunstgattung über Kubismus, Futurismus und Dadaismus bis hin zu Pop Art, Konzeptkunst und Graffiti. In der Ausstellung beschränkt er sich, dem Anlass entsprechend, auf die Kunst in Spanien. Über 150 Werke vereint „Pintar Palabras“ , umfasst Gemälde, Zeichnungen und Graphiken, Objekte, Videos und Installationen.

Die Namen der Künstler – Picasso, Miró, Dalí, Tàpies, Millares, Guinovart, Gordillo, Calvo, Perejaume, Colomer, Sinaga, Lootz, Plensa, López Cuenca – ergeben fast ein Who is who der spanischen Kunstgeschichte. Ein Gedicht von Rafael Alberti auf Fensterglas beschwört die Malerei, und der Altmeister der visuellen Poesie, Joan Brossa, verwandelt das ABC in einen Buchstaben-Zug. Hinzu kommen dem Land verbundene Künstler wie Antonio Seguí und José Bedía aus Lateinamerika und Wolf Vostell aus Deutschland, dessen fulminante Dé-Collage einen Höhepunkt darstellt. Mit der kubistischen Collage von bedrucktem Papier aus Alltag und Werbung fing alles an. Hier fand das Prinzip „Worte malen“ erste Anregungen. Buchstaben, Wörter, Texte und Schrift ergänzen, kommentieren, verrätseln, irritieren und ersetzen das Bild. Wörter wurden nicht nur – freihändig oder mit Schablone – gemalt, sondern auch geschrieben, geritzt, gesprüht, gestickt, skulptural und in Neonlicht geformt. Die Liaison von Wort und Bild scheint in Spanien besonders fruchtbar.

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