Kultur : Wohin Gen wir?: Der Mensch und die Suche nach Künstlicher Intelligenz

Raoul Fischer

Wenn der Computer selbstständig denkt, wird es gefährlich. Zumindest in Klassikern wie Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum", in dem Hal, der Computer, Dinge wahrnimmt wie ein Mensch, und Gefühle wie Angst oder Mitleid entwickelt. "Es tut mir leid, Dave", sagt er mit einfühlsamer Stimme, verweigert dem Astronauten die Rückkehr ins Raumschiff, damit er ihn nicht abschalten kann. Science-Fiction, die bald Wirklichkeit werden könnte?

Künstliche Intelligenz (KI) versucht, menschliche Intelligenz per Computer zu imitieren. Jenseits von Science-Fiction-Thrillern wie Ridley Scotts "Blade Runner" beschäftigt sich damit eine ernsthafte Forschungsrichtung, die versucht, menschliches Denken zu analysieren, zu verstehen und in Computerprogramme umzusetzen. Das Ziel ist es, Roboter zu entwickeln, die dem Menschen Arbeit abnehmen und die eingesetzt werden, wo der Mensch nicht hin kann - auf dem Mars zum Beispiel.

Wer verstehen will, wie Roboter denken, stößt auf Probleme. Viele Werke der KI-Gurus Hans Moravec, Marvin Minsky oder Ray Kurzweil stammen aus den 80er und 90erJahren, als das Thema boomte. "Veraltet, weil die technische Entwicklung seither große Fortschritte gemacht hat", kommentiert der Berliner Forscher Hans-Dieter Burkhard. Andere Werke sind nicht mehr lieferbar, wieder andere behandeln allein technische Probleme.

Eher für den Computerfreak ist zum Beispiel "Artificial Intelligence Programming - Case Studies in Common Lisp" von Peter Norvig. Das Buch führt in Fragen und Techniken der KI ein, erklärt Programme, die für die KI verwendet werden und behandelt das Lesen, Verändern und Herstellen mit der Programmiersprache Common Lisp. Norvig: "Wer schreiben will, muss lesen lernen". Einer kurzen Einführung in Common Lisp folgen Beispiele, die der Leser verstehen muss, um kleine Aufgaben zu lösen. Norvig zeigt bewusst auch Programmierfehler, die durch Analyse erkannt werden sollen, damit der Schüler Schritt für Schritt weiter geht. Das Buch ist ein Lehrbuch und hat den Charme eines Lehrbuchs, ist auf Englisch geschrieben - eher harte Kost.

Scanner für das Hirn

Am anderen Ende des Spektrums steht das jüngste Werk des KI-Autors Ray Kurzweil: "Homo S@piens. Leben im 21. Jahrhundert - Was bleibt vom Menschen". Kurzweil entwickelt darin das "Gesetz von Zeit und Chaos", nach dem die technische Entwicklung die Zeit schneller werden und Ereignisse rasant aufeinander folgen lässt. Er stellt einen abenteuerlichen Zeitplan auf: Bis 2009 werden Supercomputer und bis 2019 normale PCs den Menschen überflügeln. Bereits 2029 soll es möglich werden, das Gehirn in einen Computer einzuscannen. Umgekehrt brauchen Menschen Neuroimplantate um mit diesem Fortschritt mitzuhalten. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine führe zu einem Evolutionssprung.

"Homo S@piens" fragt, ob Computer Bewusstsein entwickeln können. Auch der Bewusstseinsforscher Daniel C. Dennett fragt in "Spielarten des Geistes", ob Roboter in naher Zukunft zu den geistvollen Wesen gehören werden. Dennett geht einen Schritt zurück und untersucht, was wir über den Geist eines anderen Lebewesens überhaupt wissen können.

Wie unterscheidet sich der menschliche Geist von dem der Tiere? Was ist Geist? Dahinter steckt mehr als ein neurobiologisches oder ein philosophisches Problem. Dennet zeigt, dass wir zunächst verstehen müssen, was Geist oder Bewusstsein sind, ehe wir darüber spekulieren, ob Maschinen jemals Gefühle entwickeln oder Pläne schmieden können.

Was bleibt vom Menschen? Sollen wir panisch den Stecker ziehen, um den Siegeszug der Maschine zu stoppen? In Kubricks "2001" behält der Mensch am Ende die Oberhand. Dave überlistet Hal, der wie in einem psychotischen Schub zusammenbricht - und leise seufzend sein Computerleben aushaucht.

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