Kultur : Wohlklang

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Am Ende des Sonntagsspaziergangs unter heißer Sonne weitet eine Wegbiegung den Blick auf eine Lichtung, und dann steht sie da: die mächtige Basilika mit ihrem einlandenden, Schatten spendenden Vorhof und dem mächtigen Campanile. Drinnen tut sich eine ganz andere Welt auf: Fünf ernste Sänger stehen vor dem Altar, ihnen zur Seite ein Lautenist. Durch geistliche Dichtung und Psalmen künden sie von den furchtbaren Bedrängnissen des 30-jährigen Kriegs und der Hoffnung, bald aus dunkler Welt zu entkommen. Was die gelassen-heitere Spätantike in Stein – die Friedenskirche in Potsdam -Sanssouci aus dem Jahr 1850 – mit den angstvollen Bitten verbindet, ist der maßvolle Wohlklang.

Die Farben, mit denen Johanna Koslowsky, Elisabeth Popien, Hans-Jörg Mammel, Wilfried Jochens und Stephan Schreckenberger von „Cantus Cölln“ auf der klaren Grundierung von Konrad Junghänels warmen Lautenakkorden malen, fügen sich zu einer ausgewogenen, abwechslungsreichen, aber nicht grellen Komposition. Die Truppe erliegt nicht der Versuchung, die deutschen Motetten des 17. Jahrhunderts mit ihrem kontinuierlich fließenden Stimmengewebe auf starre, einfarbige Klangbänder zu reduzieren. „Cantus Cölln“ raut den Wohlklang immer wieder auf, um ihn zum Träger für starke Empfindungen zu machen. Vor allem in den Stücken aus Scheins „Israelbrünnlein“ und den drei großen Zyklen des Nachmittags – Leonhard Lechners „Deutsche Sprüche von Leben und Tod“, „Die musikalische Kürbishütte“ von Heinrich Albert und Heinrich Schütz’ „Ich hab mein Sach Gott heimgestellt“ – verschmelzen die plastischen musikalischen Gesten der alten Meister mit der präzisen Aussprache und dem klaren und tragfähigen Klang der Meisterinnen und Meister aus Köln zu einer Einheit, die jener der neoklassischen Kirche inmitten der idyllischen Parklandschaft von Sanssouci um Nichts nachsteht. Felix Losert

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