Kultur : Wohnzimmerglück

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

perfekte Musik auf kleinstem Raum

Der Bassist Christian McBride war in den Neunzigerjahren nicht nur bei jeder größeren Jazzproduktion dabei, die sein damaliges Hauslabel Verve veranstaltete, er wurde auch von D´Angelo für dessen „Voodoo“Album engagiert. Nur selten bietet sich für Jazzmusiker die Gelegenheit, bei einer Major-Pop-Session dabei sein zu können. Die Grenzen zwischen den Genres sind eng abgesteckt. Doch McBride lässt sich davon nicht abschrecken, auch auf seiner neuen CD „Vertical Vision“, gerade bei Warner Jazz erschienen, versucht er den Crossover mit Fusion-Sounds, E-Gitarre und Fender Rhodes Piano. Doch obwohl McBride auch auf der letzten CD und Tour von Sting dabei war – für die großen JazzNights-Konzerte reicht sein Bekanntheitsgrad noch nicht, und der des Vibrafonisten Gary Burton , der bei der aktuellen JazzNights-Staffel mit McBride auftritt, offenbar nicht mehr. In Düsseldorf wurde das Konzert abgesagt, in den anderen deutschen Jazzmetropolen mietete man kurzerhand kleinere Säle an. Und das, musikalisch gesehen, völlig zu Unrecht, wie sich beim Eröffnungskonzert in der Alten Oper Frankfurt zeigte. Burton glänzte mit Kompositionen von Maurice Ravel, Astor Piazolla und Milt Jackson. Heute spielen McBride und Burton ab 21 Uhr im Soultrane .

Norah Jones ist begeistert von Tony Scherr . Der New Yorker Musiker, der mit John Lurie und Sex Mob CDs aufnahm, machte die junge Sängerin mit dem Gitarristen Bill Frisell bekannt, mit dessen Band er erst kürzlich wieder auf Tour war. Über Scherr kam Frisell dann auch auf Norah Jones’ CD „Come away with me“, Scherr selbst spielte mit Jones nicht nur auf dem Grammy-Abräumer, sondern schon auf ihrem Demo, von Blue Note unter dem Titel „First Sessions“ veröffentlicht, sowie auf dem Sampler „Living Room Live in NYC“. Der Living Room ist ein New Yorker Club in Wohnzimmmergröße, Jones ist da bis vor einem Jahr regelmäßig aufgetreten, und, ja, sie wird die Intimität dieser kleinen Läden vermissen, in jedem Interview sehnt sie sich zurück. Jetzt ist Scherrs CD „Come Around“ erschienen, auf der sich Low-Tempo-Songs mit Hang zu Folk, Country und Downtown-Rock finden. Im Trio mit Tim Luntzell, Bass, und Kenny Wollesen, Schlagzeug, spielt Scherr morgen im b-flat (21 Uhr) und am Mittwoch im Waati (20 Uhr).

Weitere Highlights der Woche: Der Gitarrist Larry Coryell spielt am Mittwoch mit seinem Quartett im Tränenpalast (21 Uhr). Und der Pianist Brad Mehldau tritt mit seinem Trio von Freitag bis Sonntag im Soultrane auf ( 21 Uhr). Der große Virtuose des zeitgenössischen Jazzpianos in einem für Berliner Verhältnisse sensationellen Club-Engagement.

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