Kultur : Wolf im Frack?

Nazi-Vorwürfe gegen Dirigent Rolf Reuter

Frederik Hanssen

Der Berliner SPD-Abgeordnete Tom Schreiber hat den Dirigenten Rolf Reuter beschuldigt, sich in rechtsextremistischen Kreisen zu bewegen. Seit Ende der neunziger Jahre sei der langjährige Generalmusikdirektor der Komischen Oper regelmäßig beim „Freundeskreis Ulrich von Hutten“ als Referent aufgetreten, sagte Schreiber, verfassungsschutzpolitischer Sprecher seiner Fraktion, dem Tagesspiegel. Diese Vereinigung wird von Verfassungsschützern als rechtsextremistisch und neonazistisch eingeschätzt. Darum will Schreiber dem Musiker das Bundesverdienstkreuz in Gold aberkennen lassen, das Reuter 2000 verliehen wurde.

Der 1926 in Leipzig als Sohn des Musikwissenschaftlers und Komponisten Fritz Reuter geborene Rolf kam 1961 als Musikchef nach Leipzig. Von 1979– 81 leitete er die Staatskapelle Weimar, danach war er bis 1993 Generalmusikdirektor der Komischen Oper. Als Honorarprofessor der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ ist der 80-Jährige weiter als Lehrer aktiv.

Einer seiner Schüler, der 1969 in Tel Aviv geborene Uri Rom, zeigt sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel von den Vorwürfen gegen Reuter höchst überrascht. „Reuter ist zweifellos ein großer Verfechter der deutschen Kapellmeistertradition, doch er war in der DDR auch ein Freigeist und hat uns Studenten immer einen gesunden Humanismus vermittelt.“

Dennoch wiegen die Fakten schwer, die das „antifaschistische Pressearchiv“ (apabiz) über Reuter gesammelt hat. Mehrfach habe sich der Musiker danach für rechtsextreme Verleger eingesetzt, die wegen Volksverhetzung verurteilt wurden. Bei der „Deutschen Kulturgemeinschaft“ hielt Reuter seit 2001 Vorträge zum Verhältnis von Komponisten wie Bruckner oder Beethoven zur „deutschen Volksseele“. Im Mai 2006 referierte er beim „Singleiterkurs“ des „Freundeskreises Ulrich von Hutten“ zum Thema „Das Volkslied als Mutterboden der musikalischen Hochkultur“. SPD-Politiker Tom Schreiber, der durch apabiz auf Reuter aufmerksam wurde, entschloss sich nach dreimonatigen Recherchen nun, die Angelegenheit öffentlich zu machen.

Die Chefin der Senatskanzlei, Barbara Kisseler, hat nach RBB-Informationen das Bundespräsidialamt gebeten, den Sachverhalt zu überprüfen. Von der Berliner Opernstiftung wurde Reuter aufgefordert, bis zum 31. August Stellung zu nehmen. Frederik Hanssen

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