Kultur : Wolffsohn: Bubis soll zurücktreten

Der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolffsohn hat Ignatz Bubis den Rücktritt nahegelegt. Die Ära des derzeitigen Präsidenten des Zentralrats der Juden sei vorbei, sagte der Münchener Wissenschaftler in einem vorab veröffentlichten Interview mit der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Bubis habe selbst gesagt, er sei zunehmend an der Vergangenheit orientiert. Das sei für einen Politiker jedoch falsch. Wolffsohn brachte den Hannoveraner Rechtsanwalt Michael Fürst, den Frankfurter Salomon Korn, den Berliner Andreas Nachama und die Münchenerin Rachel Salamander als mögliche Nachfolger von Bubis ins Gespräch. Wolffsohn hielt den Politikern vor, Bubis in manchmal geradezu grotesker Weise zu Füßen zu liegen. Dabei sei der Präsident des Zentralrats sehr sprunghaft gewesen und habe sich häufig selbst widersprochen. Zur von Bubis in einem "Stern"-Interview gezogenen Bilanz seines Wirkens sagte Wolffsohn, Bubis sei leider offenbar sehr krank. Deshalb sei seine Lageeinschätzung nicht realistisch, sondern pessimistisch. So könne keine Rede davon sein, daß deutsche Politiker ein mangelndes Geschichtsbewußtsein hätten. Antisemiten führten in Deutschland politisch und gesellschaftlich ein Randdasein. Als positiv wertete Wolffsohn, daß Bubis den Juden in aller Welt deutlich gesagt habe, daß man in Deutschland als Jude gut leben könne.Bubis hatte im "Stern" erklärt, er habe in seiner siebenjährigen Amtszeit als Präsident des Zentralrats der Juden "fast nichts bewirkt". Es sei ihm nicht gelungen, die Ausgrenzung "hier Deutsche, dort Juden" wegzubekommen. Die Juden seien in Deutschland fremd geblieben, "sicher auch, weil sich die Juden in diesem Land teilweise selbst ausgrenzen." KNA

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