Kultur : Wolken ziehen vorüber

Auf der gestrigen Abendauktion erzielt die Villa Grisebach eines der besten Ergebnisse ihrer Geschichte

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Auf der gestrigen Abendauktion der Villa Grisebach mit ausgewählten Werken erzielte Gerhard Richters Gemälde „Landschaft mit Wolke“ von 1969 erwartungsgemäß den höchsten Zuschlag: 900 000 Euro (ohne Aufgeld). Beinahe noch spannender als bei dem Spitzenlos gestaltete sich jedoch das Bietgefecht um das zweite angebotene Richter-Gemälde, ein mittelformatiges, grau in grau gehaltenes Mao-Porträt aus dem Umkreis der Serie „48 Köpfe“ von 1971. Das Bildnis des „Großen Vorsitzenden“ sicherte sich schließlich ein deutscher Privatsammler, der per Telefon 680 000 Euro bot – beinahe das Doppelte des oberen Schätzpreises. Wenige Minuten später konnte er dann auch, gegen einen hartnäckig bei beiden Richter- Gemälden mitbietenden skandinavischen Händler im Saal, das Spitzenlos „Landschaft mit Wolke“ sein Eigen nennen.

Preislich zwischen den beiden Richter-Werken rangierte lediglich Hermann Max Pechsteins farbintensives Landschaftsgemälde „Kurische Häuser“ von 1911. Ein deutscher Sammler setzte sich durch schriftliches Gebot über 820 000 Euro (Schätzpreis 400 000 – 600 000 Euro) gegen die Konkurrenz im Saal durch. Ebenfalls über die halbe Million kletterte Ernst Ludwig Kirchners „Berghaus (mit untergehender Sonne)“ von 1919, das bei 570 000 Euro (zuvor auf 300 000 – 400 000 Euro geschätzt) einem Berliner Sammler zufiel.

Überraschungserfolge erzielten Erich Heckels gefällige Landschaft „Am Oberrhein“ von 1925, die ihre obere Taxe mit 130 000 Euro fast verdoppeln konnte, sowie Josef Albers’ abstrakte „Study to Hommage to the Square“, die von Peter Graf zu Eltz mit moderaten 12 000 Euro aufgerufen wurde, um schließlich bei 100 000 Euro an einen Bieter im oberen Saal zu gehen.

Der Gesamtumsatz der Abendauktion von neun Millionen Euro liegt eine knappe Million über der oberen Gesamttaxe – mehr als ein Trost für den eher verhaltenen Zuspruch der vormittäglichen Fotoauktion.

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