Kultur : „Worauf warten? Feuer machen!“

Die Rapper der Banlieues haben es prophezeit

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Sie sind die Stimmen der Banlieues: Schon seit Jahren erzählen französische Rapper von den Problemen der Immigrantenkinder in den Pariser Vorstadtsiedlungen. Prophetisch finden sich in ihren Texten die brennenden Autos und Häuser, die heute in den Banlieues an der Tagesordnung stehen. „Ihr wolltet den Krieg der Welten – bitte schön!/ Worauf warten wir noch, Feuer zu machen?/ Was warten wir darauf, nicht mehr weiter den Spielregeln zu folgen?“, rappte Joey Star bereits 1995. Rim-K, Mitglied der Hiphop-Formation 113, sang 1999 von der „Stadt, die wie eine Zeitbombe tickt“, und Kool Shen warnte 1991: „In meinem Viertel ist die Gewalt schon alltäglich/ Guck dir die Jugend an, mein Appell ist ernst gemeint.“

Joey Star, Rim-K und Kool Shen sind als Kinder von nord- oder schwarzafrikanischen Einwanderern am Pariser Stadtrand aufgewachsen. Sie stehen für eine Generation von Jugendlichen, die in Frankreich geboren wurden, sich aber als Fremde fühlen. In der Tageszeitung „Libération“ haben sie – und sieben weitere Rapper – jetzt Stellung bezogen zu den Unruhen, die seit zwei Wochen Frankreich erschüttern. Ihr Lieblingsfeind: der Innenminister. „Sarkozy hat seinen bösen Wolf gewollt, jetzt hat er ihn. Aber wenn der Wolf aus dem Wald heraus will, hat die ganze Welt Angst“, sagt Oxmo Puccino und fordert eine Bildungspolitik, die Chancengleichheit ermöglicht. „Nicht jeder von uns kann schließlich Fußballstar werden.“

Disiz la Peste fordert: „Frankreich sollte sich entschuldigen: für die Kolonien, fehlende Chancengleichheit, weil wir nicht auf die höheren Schulen kommen, weil wir nicht im Fernsehen oder der Nationalversammlung repräsentiert sind.“ Socrate von der Band Tandem: „Frankreich entscheidet für uns und macht es uns schwer aufzusteigen, so bleiben unsere Ambitionen von Anfang an limitiert. Das macht mich wütend.“ Ausgrenzung gehört für die Rapper zum Alltag: „Wir haben gesehen, wie unsere Eltern schufteten und keine Anerkennung dafür bekamen. Sie haben immer geschwiegen – wir wollen es nicht mehr“, sagt 45 Scientific. Und Rim-K schimpft: „Die Politiker pennen. Sie täten gut daran, sich mal die Rap-Alben anzuhören!“ ah

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