Wort des Jahres : Klimakatastrophe abwenden, Welt verbessern

Ohne aufmüpfig werden zu wollen: Es muss sich etwas ändern. Der Welt geht es schlecht und kaum einer tut etwas dagegen. Die "Wörter des Jahres" seit 1977 zeigen, wie es um unseren Planeten bestellt ist. Carsten Kloth blickt zurück

Klimakatastrophe
Der Klimawandel bestimmt auch die Wortwahl. -Foto: dpa

In den 70er Jahren traf man sich noch in konspirativen Wohnungen und revolutionierte. Die 68er-Bewegung war geprägt von der Erfahrung des Holocaust und versuchte diese zu bewältigen – jedoch nicht nur mit den Mitteln der Ellenbogengesellschaft. Einige aus der Szene wählten den bewaffneten Kampf und wurden mit Hilfe der Rasterfahndung gesucht. Andere bewegte die Sorge um den Frieden zwischen Nachrüstung und Nulllösung. Helmut Schmidt durchschritt den Deutschen Herbst, Helmut Kohl den Heißen Herbst. Damals ging es noch um das Wohl der Allgemeinheit und nicht um die Pfründe einer Partei wie beispielsweise bei der Schwarzgeldaffäre der CDU.

Aber Themen ändern sich – und auch das politische Engagement. Dabei braucht es keinen Krieg, um die Menschheit zu bedrohen. Was nützt es, mit der Gesundheitsreform im Rücken im Umweltauto durch die neuen Bundesländer zu fahren und seine Reisefreiheit zu genießen, wenn der Wein Glykol enthält, Sex ohne Kondom Aids verbreitet und nicht nur die Sonne, sondern auch mal Tschernobyl strahlt.

Heute kauft der Empfänger von Hartz IV mit seinem Teuro lieber ein Multimedia-Handy, als angesichts der Entwicklung der Welt seit dem Millennium auf die Straße zu gehen. Spätestens mit dem 11. September ist die Party auch auf der Fanmeile im alten Europa zuende. Auf die Gefahr, wie ein Besserwessi zu klingen: Politikverdrossenheit ist angesichts von Sozialabbau, Sparpaket und Reformstau zwar erklärlich, hilft aber nicht weiter. Es reicht auch nicht, im nächsten Superwahljahr wieder Rot-Grün zu wählen und unsere Bundeskanzlerin zurück nach Templin zu schicken. Dies wird weder die Welt verbessern noch die drohende Klimakatastrophe abwenden, die es nun zum Wort des Jahres 2007 gebracht hat. 

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