Kultur : Wortmüll

RÜDIGER SINGER

"Soho" war ein Jagdruf, mit dem vor den Toren Londons die Hundemeuten angestachelt wurden, erst später wurde ein verrufener Stadteil daraus."Mojo" heißt ein Zweirad aus den Endfünzigern - und ein dort und damals spielendes "pulp drama" mit jungen, kaputten Typen, vom jungen englischen Starautor Jez Butterworth und dem deutschen Publikum erstmals präsentiert von jungen, aufstrebenden Zöglingen der Schaupielschule Ernst Busch im bat-Studiotheater.

Zwischen Kühlschränken, Bierkisten und einer Auto-Sitzgarnitur (Bühne: Frauke Löffel) häuft sich Müll, vor allem Wortmüll: "Es geht nichts über einen zersägten Vater, um einen klaren Kopf zu bekommen," sagt Baby (Kai Schumann).Babys Vater war Barbesitzer, hat ihn mißbraucht und sich in einen singenden Sechzehnjährigen, genannt Silber-Johnny, vernarrt, den aber ein Gangster namens Ross ebenfalls begehrte...Jetzt ist der Chef erlegt und alle zittern vor dem Jäger: Der einfältige Glatzkopf Sweets (Martin Brauer), der cool zu sein versucht, der Schwätzer Potts (Mark Waschke); der armselige Skinny, (brilliant: Peter Ehrlich), der seinen Quälgeist Baby bewundert, fürchtet, verpetzt, und der Geschäftsführer Mickey (Reiner Gabriel).Hauptsache aber ist der von Britta Geister achtbar inszenierte Leerlauf der Figuren, die zaghaften Versuche, bei einem "Kumpel" Nähe zu finden.Nur Baby findet schließlich doch eine Art Klarheit - nachdem er zwei Menschen zur Strecke gebracht hat.Soho!

bat-Studiotheater, 21.-24.9.u.27.9., 20 Uhr; 25./26.9., 23 Uhr

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