Kultur : Wortsolo

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

das Ohrensausen der Schriftsteller

Wer im Exil lebt, wolle nur eines, wieder nach Hause zu können, resümierte Miriam Makeba als sie 1990 auf Wunsch Nelson Mandelas nach über 30jahriger Verbannung in ihr Heimatland zurückgekehrt war. 1956 hatte die charismatische Sängerin eine Hauptrolle in dem Film „Come back, Africa“, der das südafrikanische Unrechtssystem anprangerte. Für Miriam Makeba , die mit vollem Namen Zensile Makeba Qgwashu Nguvama Yiketheli Nxgowa Bantana Balomzi Xa Ufnu Ubajabulisa Ubaphekeli Mbiza Yotshwala Sithi Xa Saku Qgiba Ukutja Sithathe Izitsha Sizi Khabe Singama Lawu Singama Qgwashu Singama Nqamla Nqgithi heißt, wurde der Film zu einem unwillkommenen Abschied von ihrer Heimat. Die internationale Aufmerksamkeit, die der Film erlangte, führte Makeba zwar auch nach Europa, wurde ihr aber schnell zum Verhängnis, da sie nicht mehr in ihr Heimatland zurück durfte. Sie war die erste afrikanische Künstlerin, die in der westlichen Welt mit offenen Armen empfangen wurde.

Binnen weniger Wochen machte Harry Belafonte sie in Amerika zum Star. Im November 1959 sang sie im New Yorker Jazzclub Village Vanguard, Belafonte hatte geladen und alle waren gekommen: Duke Ellington, Miles Davis, Nina Simone, Sidney Portier. Ihre Art, sich zu stylen, galt als hip und wurde besonders in Amerika als Inbegriff von afrikanischer Schönheit und Stolz interpretiert. Der Film „Come back, Africa“ von Lionel Rogosin wird am Mittwoch um 19 Uhr beim Internationalen Literaturfestival mit anschließender Diskussion im Babylon Mitte gezeigt.

Henning Mankell bedauert, das die mündlich überlieferte Kultur in Europa einfach verschwand, als die Menschen lesen und schreiben lernten. „Bedenken Sie nur, dass der bekannteste Autor Tansanias nie ein Buch veröffentlicht hat, er spricht im Radio, aber die Menschen begreifen ihn als Autor“, berichtet Mankell. Der schwedische Star-Schriftsteller glaubt, „dass alle Autoren und Regisseure in erster Linie Musiker werden wollten. Ohne Musik kann man nichts schreiben. Ich nehme an, dass ich eines Tages ein „Solo über John Coltrane“ schreiben möchte.“

Der italienische Schriftsteller Alessandro Baricco hat sein Solo über den selbst ernannten Erfinder des Jazz schon geschrieben, auch wenn Jelly Roll Morton in Bariccos „Legende vom Ozeanpianisten“ über seinen eigenen Hochmut stolpert. Im vergangenen Jahr war Baricco schon mal in Berlin angekündigt, kam aber nicht. Next try: beim Literaturfestival kommt Baricco heute 21 Uhr 45 in die Sophiensaele . Wenn er kommt.

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