Kultur : Wozu brauchen wir den Euro?

Margit Lesemann

Wenn es um Sachbücher für Kinder geht, sind die "Was ist was?" - Bände seit langem eine Institution. Ob Dinosaurier, Computer, Gladiatoren oder Raumfahrt - vieles, womit sich Kinder gerne beschäftigen, ist hier jeweils in einem Themenband vertieft. "Europa" lautet der Titel eines neuen Bandes, mit dem sich der Verlag erstmals an ein landeskundliches Thema wagt, was er seiner engen Bindung zu seinem Publikum verdankt. Junge "Was ist was?" - Leser waren es, die den Band anregten, haben sie doch vor allem seit sie ihr Taschengeld in Euro bekommen, viele Fragen, die sich vielleicht auch den Eltern stellen. Wieso wurde eine neue Währung eingeführt? Welche Länder umfasst die Europäische Union und wo kann man mit dem Euro bezahlen?

Vom Ursprungsmythos, der Sage, wonach der Gott Zeus in Gestalt eines Stiers die phönikische Prinzessin Europa entführte, bis zu den Herausforderungen der EU-Osterweiterung erzählen Ulrike Reisach und Rainer Köthe von Europa. Dabei streifen sie Geografie und Klima ebenso wie die Tier- und Pflanzenwelt. Der Schwerpunkt des Buches aber liegt auf dem politischen Geschehen. Ausgehend von der Beantwortung der Frage was überhaupt die Europäische Union ist und warum sie entstand, beschreibt das Autorenduo die politischen und wirtschaftlichen Ziele des europäischen Einigungsprozesses.

Dabei werden auch schwierige Kapitel nicht ausgespart. Demokratische Regierungen waren in Westeuropa längst keine Selbstverständlichkeit. Zur Erinnerung: 1974 begann in Portugal eine neue Ära und noch bis 1975 waren Spanien und Griechenland Diktaturen. Die Wirtschaftsexpertin Ulrike Reisach und der Wissenschaftsjournalist Rainer Köthe verstehen es, nicht nur Kindern die verschiedenen Facetten des komplexen Gebildes Europa allgemeinverständlich vorzustellen. So vermitteln sie Wissen und wecken Neugier, ohne die jungen Leser mit der Fülle an Fakten zu überfordern.

Wie sieht die Regierung der Europäischen Union aus, worüber richtet der Europäische Gerichtshof und hat die Union eine eigene Armee? Solche Fragen werden in einer klaren Sprache beantwortet. Anschauliche Schaubilder und Karten sind eine zusätzliche Orientierungshilfe. Das neue Europa zu gestalten, die eigenen Mitsprachemöglichkeiten zu nutzen, erfordert Aufmerksamkeit und Engagement. Dazu regen die Autoren ihre jungen Leser an. Und schließlich machen nützliche Internetadressen, ein Lexikon, das die Länder von Albanien bis Zypern vorstellt, und eine ausklappbare Europakarte den Band zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk für alle jungen Europäer - und deren Eltern.

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