Kultur : Wunder gibt es immer wieder

MUSEUMSINSEL

Christina Tilmann

Dietrich Wildung kann die Lage gar nicht schwarz genug malen: Was die Infrastruktur angehe, befinden sich die Staatlichen Museen auf der Museumsinsel noch immer in der Nachkriegszeit. Die gegenwärtigen Bedingungen etwa bei Garderobe oder Präsentation im Pergamonmuseum seien besucher- und objektunwürdig. „Zum Glück verbalisieren die Besucher ihre Kritik nicht“, so Wildung. Das soll alles anders werden, wenn einst im Rahmen des Masterplans die „Archäologische Promenade“ eröffnet wird, der Rundgang durch Höfe und Basisgeschosse, der alle fünf Häuser der Insel zu einem thematischen Überblick zusammenschließen soll. Nicht als „Fußgängerunterführung“, auch nicht als „Schnelldurchlauf“, wie Peter-Klaus Schuster in der Einführung noch einmal betonte, sondern als Angebot an den allgemein interessierten Besucher, der anhand von Themen wie „Tod“, „Gott“, „Mensch“ oder „Schrift“ einen kulturhistorischen Gesamtabriss geboten bekommt. Dass alle auf der Museumsinsel vertretenen Museen sich an den Planungen zur Archäologischen Promenade beteiligten, sei, so Wildung, ein „Berliner Museumswunder.“

Der Direktor des Ägyptischen Museums und federführende Kopf hinter den Kulissen nutzte die von der Deutschen Bank gesponserte Vortragsreihe „Inselperspektiven“ im Alten Museum , um in gewohnter Eloquenz noch einmal kräftig für sein Projekt zu trommeln – wohl wissend, dass es mit der inzwischen vollständig vom Bund übernommenen Finanzierung nicht zum Besten steht. Die „Modifikation“ der Pläne, die Kulturstaatsministerin Christina Weiss kurz nach Amtsantritt im Kulturausschuss des Deutschen Bundestags andeutete, würde die „Promenade“ am heftigsten treffen. Sowohl beim von David Chipperfield entworfenen Eingangsgebäude als auch auf dem Kasernengelände jenseits des Kupfergrabens, wo die Depots, Magazine und Verwaltungsräume unterkommen sollen, herrscht Planungsstopp. Doch weil es anderen Häusern noch schlechter geht, wagt Wildung den Sprung nach vorn: Sollte Hans Ottomeyer vom benachbarten Deutschen Historischen Museum Probleme haben, seinen im Mai eröffnenden Pei-Bau zu füllen, seien die Staatlichen Museen trotz knapper Kasse gern zur „Nachbarschaftshilfe“ bereit.

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