WUNSCHZETTEL„Kinderträume zur Weihnachtszeit“ : Apfel, Nuss und Mandelstern

Jens Müller

Es weihnachtet wieder. Wie in jedem Jahr bedeutet das für Millionen Kinder vor allem eines: Geschenke. Die sind das Wichtigste. Viel wichtiger als etwa Christi Geburt. Kinder sind ein bedeutender Teil der Konsumgesellschaft. „Kinderträume zur Weihnachtszeit“ haben heute einen sehr materiellen Bezug. Die vom Museum Europäischer Kulturen ausgerichtete Ausstellung präsentiert Wunschzettel, Fotografien und typische Geschenke aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert und später. Sie zeigt, was sich geändert hat – und was gar nicht so neu ist.

Am 2.12.1897 hat etwa Ingeborg aus Wien aufgeschrieben: „Hauptwunsch, worüber ich mich furchtbar freuen würde, und es euch nichts kostet, gar keinen Heller, das wäre Mamas, alte, silberne Uhr, also bitte erfüllt mir wenigstens diesen Wunsch, ja?“ Ganz selbstverständlich adressiert sie ihren Wunsch an die Eltern – nicht an ein Christkind oder gar einen rot- weißen Coca-Cola-Weihnachtsmann, den es damals noch gar nicht gab. Die 14-jährige Berlinerin Renate Zurkalowski hat im Jahr 1938 einige ihrer Wünsche mit einem kleinen Sternchen versehen, das sie am Ende ihres Zettels erklärt: „kann weggelassen werden“. Alle anderen Wünsche sind also Pflicht.

Dieser fast geschäftsmäßige Umgang zumindest der größeren Kinder mit Weihnachten ist die eigentliche Erkenntnis der Ausstellung. Kinder sehen das Fest offenbar weniger sentimental, als ihre Eltern meinen. Sie hätten das Weihnachtsmann-Kostüm getrost im Schrank lassen können.Jens Müller

Museum Europäischer

Kulturen, Museen Dahlem,

bis So 6. 1 ., Di-Fr 10-18 Uhr,

Sa/So 11-18 Uhr, 6 €, erm. 3 €

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