Kultur : Wut und Trotz

Im Kino: das britische

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Joe ist von seinem Vater Arthur nie ernst genommen worden. Nichts tat er lieber, als Trompete zu spielen, nichts wollte der Vater stärker verhindern. Mittlerweile ist Joe 40, die Kohlegruben in Nordengland sind geschlossen, und seine Tätigkeit als Musiklehrer und Entertainer in Pubs und Altenheimen ist das, was ihn über Wasser hält. Jetzt will er seinen Sohn Michael zum Musizieren zwingen, ohne ihn ernst zu nehmen.

„Like Father“ (übersetzt: „Wie der Vater, so der Sohn“) setzt wie „Brassed Off“, „Ganz oder gar nicht“ und „Billy Elliott“ die schönen Künste gegen den trostlosen Alltag in den ehemaligen Industrie- und Kohlegebieten Nordenglands. Aber während die anderen Filme tröstliche Geschichten mit großem Unterhaltungswert erzählen, ist „Like Father“ so harsch und realistisch wie die frühen Filme von Ken Loach. Man spürt Wut, Trotz und Hoffnungslosigkeit von Menschen, denen Stolz und Lebensgrundlagen genommen wurden. Gemacht hat „Like Father“ The Amber Production Team, ein Kollektiv, das in den späten Sechzigern nach Newcastle zog, um das Leben der Arbeiter im Norden zu dokumentieren.

Wie Loach arbeitet Amber vor allem mit Laiendarstellern. Joe spielt praktisch sich selbst, Arthur und seine Freunde sind klapprige alte Männer, die nach einem harten Leben ziemlich fertig aussehen. Ihnen ist nichts geblieben als die Tauben, die sie in ihren Schrebergärten züchten – doch genau diese Idylle soll jetzt weg, weil man die Gegend für Touristen aufmöbeln will. In diesem Konflikt gerät Joe zwischen die Fronten. Die smarten Geschäftleute versprechen ihm Anerkennung und ein bisschen Geld für die Musik zu einem PR-Projekt, das ihr Bauvorhaben unterstützen soll. Beim Vater ist er damit endgültig unten durch. Und der Sohn droht unter die Räder zu kommen.

Die Geschichte, wie die Männer der Familie Elliott – so viel weniger attraktiv und publikumstauglich als ihr nsvetter Billy – in letzter Minute zueinander finden, ist ein wenig ungeschickt, aber mit großer Aufrichtigkeit erzählt. Das politische Anliegen steht eindeutig im Vordergrund. Als Spielfilm ist „Like Father“ etwas spröde, doch gerade dadurch erfährt man mehr darüber, wie England beschaffen ist, als in vielen polierteren Produktionen. Susanna Nieder

FB Steinplatz und fsk (beide OmU)

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