Kultur : "x-tract-Chicago"-Festival: Grooves aus dem Laptop

Volker Lüke

Extremsaxofonist Mats Gustafsson röhrt im Podewil beim "x-tract-Chicago"-Festival mit dem Stimmakrobaten Jaab Blonk um die Wette. Der Schwede drückt die Sounds an ihre Ränder, vom leisen Klappern und Rascheln bis zu urgewaltigen Ausbrüchen, als würde das Horn explodieren, während Blonk gurgelt, schmatzt und schreit. Seinen ganzen Körper bringt er in die Klangbildung ein. Manchmal drohen sie in jene Art Humor abzukippen, der furzende Saxofone komisch findet - und doch wird nichts banal oder zur Zirkusnummer. Dafür sorgen schon die rasanten Tempowechsel, deren Beiläufigkeit die Meisterklasse der Musiker unterstreicht.

Dann treffen Mats Gustafsson und Jaab Blonk auf das Chicago Underground Duo. Dessen Querverbindungen zwischen Modern Jazz und gegenwärtiger Bleep-Elektronik sind wesentlich brauchbarer als die meisten anderen Fusionen. Während Trommel-As Chad Taylor alle Felle gleichzeitig zu bearbeiten scheint und nebenbei noch Zeit für Melodien auf dem Vibraphon findet, schippert Rob Mazurek mit seiner geschulten Jazz-Trompete drüber weg. Dazu klickt er angenehm warme Schüttelgrooves aus dem Laptop, die die durchweg nervöse Hardbop-Stimmung mit verklärter Elektronik kontrastieren - keine trockene Algebra der Atonalität, sondern ein Vexierspiel sinnlich fließender Harmonien.

Bei der anschließenden Jam-Session gibt es auch ein Wiedersehen mit Josh Abrahams und Ben Vida von "Town and Country", die jetzt am Kontrabass und auf der Trompete ihre Wurzeln im Jazz freilegen, während Taylor trommelt, Mazurek bläst, Blonk blonkt und Mats Gustaffsson einfach nur der Größte ist.

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