Kultur : Xavier Naidoo

Diese Woche auf Platz 5 mit: „Was wir alleine nicht schaffen“

Kai Müller

Was hat Herbert Grönemeyer gerödelt, um der Fußball-WM ein musikalisches Freundschaftsgewand zu verpassen. Wobei selbst der afrikanisch-feurige Trommelzauber nicht über die verspannte Hauruck-Mentalität von „Zeit, dass sich was dreht“ hinweghalf. So avancierte ein anderes Lied zur alles umarmenden Hymne dieses „deutschen Sommers“. Und so wie die Klinsmann-Elf von der allgemeinen Euphorie fortgetragen wurde und über sich selbst hinauswuchs, nahm Xavier Naidoo die Herausforderung an. Weil Gerald Asamoah, der Kabinen-DJ, Naidoos Mutmacher „Dieser Weg“ immer spielte, bevor die Mannschaft aufs Feld trabte, brannte sich der Song schnell ins kollektive Empfinden. Beschritt nicht das ganze Land seit Jahren einen „steinigen Weg“? Reformen, Reformen, immer nur Reformen! Da bedurfte es dringend der Nestwärme, und Naidoo hat sie in Musik gegossen. „Was wir alleine nicht schaffen“, lautet seine Antwort auf das Verlangen der Massen, in ihm die Integrationsfigur zu sehen, „das schaffen wir dann zusammen.“ Das klingt nach Pfadfinderlyrik. Trotzdem übertrifft sich Naidoo selbst. Der als esoterischer Schmusepopper verschriene Künstler, der plötzlich zum Bildhauer eines emotionalen Ausnahmezustands werden soll, erfüllt die Erwartungen. Statt mit klugen Worten jongliert er mit Gefühlen. Das können nur wirkliche Popstars.

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