Yamato in der Komischen Oper : Schlagfertig

Archaik und Popkultur: Der Auftritt der japanischen Trommelgruppe Yamato in der Komischen Oper.

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Kenta Ono, einer der Trommler der Gruppe Yamato.
Kenta Ono, einer der Trommler der Gruppe Yamato.Foto: Masa Ogawa/promo

Der Arm saust senkrecht in die Höhe und fällt dann herab wie die Klinge einer Guillotine: gnadenlos präzise und mit durchschlagender Wirkung. Die Art, wie in Japan traditionellerweise Trommeln traktiert werden, unterscheidet sich von jener, die in den meisten anderen Ländern gepflegt wird. Es ist ein Powerplay, bei dem es vor allem um den starken Klang geht. Mit weit ausholenden Bewegungen lassen die Spieler die Schlägel auf ihre Shime- respektive Miya-Daikos krachen, also auf die kleinen Instrumente mit dem hohen, metallischen Klang oder die großen mit dem dunklen, dumpfen.

Viele Variationsmöglichkeiten ergeben sich daraus eigentlich nicht – dass die Show der 1993 gegründeten „Yamato“- Trommlertruppe so kurzweilig ist, liegt am effektvollen Mix von archaischen Ritualen und Popkulturelementen. Die 12 Musikerinnen und Musiker dreschen nicht nur mit bewundernswerter Disziplin auf ihre Felle ein, sondern tanzen geradezu mit den Trommeln über die Bühne der Komischen Oper, stoßen gutturale Schreie nach fernöstlicher Kampfkunstmanier aus und machen auch gerne mal ein paar pantomimische Faxen.

Am stärksten sind die Bronzezimbeln

Nach den strengen Regeln des Taiko- do trainiert diese echt coole Gang aus der Krachmacherstraße: Gemeinsam essen, gemeinsam proben, zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen – wie ein Sensei wacht Yamato-Gründer Masa Ogawa über seine jungen Schützlinge – und bildet sie zu Schlägel-Samurai aus, zur Kriegern des Klanges. Die zwar traditionelle Kleidung tragen, friseurentechnisch aber locker mit heutigen Fußballstars mithalten – und gerne auch mal die dreisaitigen Shamisen-Lauten wie E-Gitarren jaulen lassen.

Und weil dabei das Trommelfeuer auf die Trommelfelle unvermindert weitergeht, dass den Zuschauern der Brustkorb bebt, kommt immer wieder authentische Rockkonzert-Atmosphäre auf. Der Höhepunkt der Show aber ist ein ganz zarter: Wenn fünf der Yamatos nämlich zu den kleinen Bronzezimbeln greifen und ein Gruppenspiel beginnen, sich die Klänge förmlich zuwerfen, hochvirtuos, bezaubernd.

Komische Oper, bis 17. Juli

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