Kultur : Young Euro Classic: Mit Fandango: Seltenes aus Portugal

Carsten Niemann

Ganz aus dem Schatten der zentraleuropäischen Musikzentren ist die Orchestermusik Portugals nicht herausgekommen. Deswegen ist Luís de Freitas Branco so wichtig. Der 1890 geborene Humperdinck-Schüler hat die portugiesische Musik mit modernistischen Tendenzen in Berührung gebracht . Seine vierte Sinfonie von 1952 mag an Originalität nicht mit den Werken anderer Randeuropäer wie Sibelius oder Petterson mithalten. Dennoch stellt sie eine eigenständige, souverän gelöste und spannend anzuhörende Lösung der kompositorischen Aufgabe dar. Anders als bei dem neuen Werk des Abends, Fernando Lapas farbigen, aber formal konventionellen und melodisch einförmigen "Cances de negro e de sal", bei denen allein der kräftige, leicht körnige Bariton von Luís Rodrigues aufhorchen ließ, herrschte bei de Freitas Sinfonie ungeheuchelte Aufmerksamkeit. Von den folkloristischen Flötensoli des Beginns über die überraschend in den Choralschluss montierten Gegenakkorde bis hin zur Zugabe, einem spritzigen Fandango, machte das Aproarte Jugendorchester unter der Leitung von Ernst Schelle sich und de Freitas alle Ehre. Der Klang des Ensembles ist seine Tugend: homogen und beweglich die Holzbläser, warm und geschmeidig die Streicher, das Blech bisweilen etwas auftrumpfend, aber elegant in den Hörnerkantilenen. Da diese Souveränität nach nur zwei Jahren Bestehen ein Verdienst des Leiters ist, nahm man es hin, dass Schelles Dirigat die dezidiert rhythmische Geste fehlt. Dieser Mangel an Zuspitzung machte es wohl auch, dass die Verbeugung vor den Gastgebern in Gestalt von Paul Hindemiths Sinfonie "Mathis der Maler" etwas förmlich geriet.

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