Kultur : Young Euro Classic: Mit Kastagnetten: Neues aus Spanien

Friedemann Kluge

Das Spanische dominierte eindeutig die Pausengespräche, ganz so, als habe das Joven Orquesta Nacional de Espana die eigene Claque von der iberischen Halbinsel gleich mitgebracht. Unter dem manchmal etwas affektiert wirkenden Dirigat Edmon Colomers eröffnete man mit der deutschen Erstaufführung einer Komposition des baskischen Komponisten Ramon Lazkano "Zur-Haitz", einer Art musikalischer Dichtung über mineralische und organische Begriffe. Es ist dies ein in dynamischer Hinsicht etwas überfrachtetes Werk, das ein wenig so wirkt, als seien Prokofiev im Rioja-Rausch die Noten seiner "Skythischen Suite" durcheinandergeraten, mehr Masse als Muse.

Deutlich inspirierter und origineller ging es anschließend zu im Klavierkonzert von Joan Guinjoan, das ebenfalls in Deutschland erstmals zu hören war. Aus einem tiefen, in dunkle Klangfarben getauchten Pianissimo-Beginn erhebt sich die Partitur wie flirrende Luft und findet erst ganz allmählich zu rhythmischer Gliederung. Miguel Ituarte zeigte sich dem Parforce-Klavierpart (allein die große Solokadenz ist halsbrecherisch!) in jeder Hinsicht gewachsen: ein äußerst virtuoses Konzert.

Lutoslawskis dritte Sinfonie, ein durchwegs bukolisch anmutendes Werk, bildete den Abschluß des offiziellen Programms. Dem schrillen Fortissimo-Auftakt folgen geradezu pastorale Klänge: Naturparks in Musik gegossen, grob hier, filigran dort, aber stets höchst kunstvoll. Am Schluss dann die Apotheose, ein Hymnus, bei dem Straussens "Zarathustra" von ferne gewunken zu haben scheint. Das spanische Jugendorchester jedenfalls erwies sich als ein glänzender Erzähler. Den Abschluss bildeten zwei temperamentvolle Kostproben spanischer Orchestermusik, bei denen selbstverständlich auch die Kastagnetten nicht fehlten.

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