Kultur : "Young Euro Classics": Schostakowitsch ohne Sprachprobleme Ausbalanciert

Isabel Herzfeld

Während bei "Young Euro Classic" ein Jugendorchester nach dem anderen die Besonderheiten seiner nationalen Sinfonik präsentiert, setzen die "Berliner Begegnungen" den international-solistischen Kontrapunkt. In vier "langen Nächten" bieten nicht weniger als fünfzig junge Musiker einen Querschnitt durch das Kammermusikschaffen des 20. Jahrhunderts. Niveauunterschiede können da nicht ausbleiben. So hatten es auch die Klarinettistin Sylvia Schmückle, die Geigerin Isabelle Briner, die Pianistin Sybille Briner und der Cellist Christian Poltéra zunächst schwer, sich mit ihren "Anleitern" Christian Altenburger (Violine) und Diemut Poppen (Viola) als Ensemble "warmzuspielen". Sergej Prokofjews "Ouvertüre über hebräische Themen" fehlte nicht der delikate Klangreiz, wohl aber die überzeugend sprechende, auch rhythmisch mitreißende Strukturierung. Dagegen wetteiferten Isabelle Briner und Henja Semmler, zwei blutjunge Geigerinnen, in der nicht minder fragilen Sonate für zwei Violinen dermaßen mit schönen, warmen, charmanten Tönen, dass die Spannung keinen Augenblick nachließ. Keine Frage der Klangintensität warf nach diesem Prokofjew-Block Béla Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug auf, ein Kompendium der Martellato-Virtuosität. Doch die hatten, bei allem Respekt vor der technischen Bewältigung überhaupt, die Pianistinnen Sibylle Briner und Stepanowa einfach nicht im notwendig harten und klaren Griff. Nicht anders die Schlagzeuger Christian Hartmann und Hans Rudolf: ohne ein übergreifendes, die Klangbalance dirigierendes Konzept ist etwa das "Lento" nicht als ein Nachtstück voll verschiedenfarbiger Lichter erkennbar. Das Können der einzelnen Musiker soll damit nicht in Frage gestellt werden, vielmehr geht es um Kommunikation. Deswegen waren im Klavierquintett g-moll op. 57 von Dmitri Schostakowitsch plötzlich alle "Sprachprobleme" verschwunden, fanden sich die Streicher um die überlegen gestaltende Anna Malikova zu einer wirklichen "Begegnung" zusammen in einer zart und wild klagenden, wunderbar ausgehörten Musik.

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