Yves Saint Laurent : Schwüle Schönheit

Kunst, Möbel, Deko-Objekte de luxe: Die Yves-Saint-Laurent-Auktion in Paris bricht Rekorde.

Christiane Meixner
Laurent_Auktion
Auktion im Grand Palais -Foto: dpa

Den beiden ging es nie um Kennerschaft. Das restlose Wissen um Epochen, Stile oder Preise hätte Yves Saint Laurent und Pierre Bergé in ihrer Sammellust nur gestört. Außergewöhnlich, vor allem von erlesener Schönheit mussten die Dinge sein, mit denen sich das Paar in seinen Wohnungen umgab. Was sie bewunderten, wollten sie besitzen.

Diesem Zauber erlag auch das Publikum, das sich in Paris drei Tage lang um das Vermächtnis des Modemachers und seines Lebensgefährten balgte. Sammler aus aller Welt bescherten dem Auktionshaus Christie’s einen Höhenflug. Bei der Versteigerung von 700 Losen, hinter denen sich eine exquisite Sammlung impressionistischer Malerei, Goldschmiedearbeiten aus dem Haus Hannover und dekorative Objekte verbargen, erzielten die Auktionare gleich zum Auftakt am Montag , was sie für den kompletten Nachlass erwartet hatten. Mit dem Ergebnis von 306 Millionen Euro nach dem zweiten Abend war dies bereits die teuerste jemals versteigerte Privatkollektion.

Das sind gute Nachrichten in einem schwierigen Jahr, dessen maßgebliche Auktionen in London und New York bislang verhalten verlaufen sind. Doch im Fall von Matisse, Mondrian oder Brancusi wartete Christie’s mit singulären Werken auf, die so schnell nicht wiederkommen. Dass sich ein unbekannter Bieter das Gemälde „Les coucous, tapis bleu et rose“ von Henri Matisse 36,9 Millionen Euro kosten ließ und damit einen neuen Weltrekord aufstellte, verwundert weniger als der Enthusiasmus unter der Glaskuppel des Grand Palais.

Er hielt auch am Dienstag an, als die weniger begehrten Alten Meister, das 19. Jahrhundert, dekorative Goldarbeiten aus Renaissance und Barock sowie angewandte Kunst des 20. Jahrhunderts unter den Hammer kamen. Selbst diese 300 Lose brachten über 100 Millionen Euro ein – wenn auch nicht jedes Stück zur Spitzenklasse zählte. Doch darum ging es vielen Sammlern nicht, von denen eine ausgewählte Schar zuvor in das originale Ambiente der sonst unzugänglichen Wohnungen besuchen durfte. Genau wie im Hause YSL und Bergé ergötzte man sich in erster Linie an der puren Schönheit und ließ sich durch die unzähligen Konkurrenten zu sündhaften Geboten verführen. Davon erzählt nicht zuletzt jener Rekordpreis, den ein Art- déco-Sessel von Eileen Gray erzielte. Der „Fauteuil aux Dragons“ wurde für sagenhafte 22 Millionen Euro verkauft.

Manch einer wird sich noch wundern. Denn viele Dinge, mit denen sich der Modeschöpfer seit den frühen Sechzigern umgab, entfalten ihre Opulenz erst in der schwülen Atmosphäre ihrer überladenen Zimmer. Hier hingen Gemälde im Wert von Millionen über Tischen voller schwerem Tafelsilber und funkelnden Kristallgläsern. Wer aber nun ein oder zwei Objekte aus der Sammlung ergattert hat, der wird höchstens einen Abglanz des extrovertierten Lebensstils in sein Heim retten. Der Luxus und die ungeheure Dekadenz, wie YSL sie pflegte – sie sind dahin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben