Kultur : Zadek probt

Genie und Zicke: ein Blick hinter die Kulissen

Peter von Becker

Es komme immer nur auf „das Resultat“ an, egal wie es entsteht. Das sagt der Theaterregisseur Peter Zadek auf einer ziemlich erregten, angespannt spannenden Probe zu seinem 2004 im Berliner Ensemble inszenierten „Peer Gynt“. Natürlich zählt bei aller Kunst am Ende das Ergebnis. Aber im Theater, das sich auch nach der Premiere an keinem Abend völlig gleicht, ist der Entstehungsprozess oft erhellender und zugleich geheimnisvoller, überraschender als die allabendlich gezeigte Vorstellung. Beim Film ist das anders: Auf dem Set wirken die zeitlich meist nicht kohärenten Proben und Einzelszenen als kurze Takes meist von Technik, Szenerie, Licht und Wetter beherrscht – die intimere Kunst des Spiels, der Regie, der Kamera wird erst sichtbar, wenn sich die Elemente am Schneidetisch und bei der Tonmischung verbinden.

Man muss hier daran erinnern, weil das Making of als Topos vor allem von Filmen über Filme gilt. Nun aber hat Alexander Nanau, bisher Student an der Deutschen Film- und Fernsehakademie, einen spürsinnig schönen Kinofilm über den Probenprozess einer Theaterinszenierung vorgelegt. Kein Dokudrama, eine dramatische Doku, wie es sie vergleichbar nur in Syberbergs alten Aufnahmen von Fritz Kortner oder einem Fernsehfilm über Klaus Michael Grüber gibt. Voraussetzung dafür war, das Vertrauen der scheinbar schutzlos preisgegebenen Schauspieler und des damals schon 78-jährigen Peter Zadek zu gewinnen.

Normalerweise sind Theaterproben ein abgeschirmtes Ritual – Theater entsteht ja aus der allmählichen Verwandlung von oft unausgeschlafen misslaunigen oder albernen, neurotischen, genialischen, verrückten und alltäglichen Menschen. In einer Art Black Box. Und der Regisseur ist eine Mischung aus Guru, Kumpel und Diktator, aus Psychotherapeut und Mimose. Eben das demonstriert auch Peter Zadek, der „Peter Zadek inszeniert Peer Gynt“ (so der etwas spröde Titel) den „ersten unverschämt realistischen Film über meine Arbeit“ nennt.

Zadek lästert über den Kollegen Peter Stein, staucht eine verschüchterte Regieassistentin zusammen, will „keine Kunstscheiße“ und nennt eine Darstellerin vor allen Anwesenden „Zicke“. Aber es ist doch: Liebe auf beiden Seiten, Animation und Achtung. Denn es geht um alles im Spiel, und man sieht in Szenen mit dem Hauptdarsteller Uwe Bohm, wie sich dieses Spiel ganz sinnlich, zum Greifen und Begreifen nah verändert. Wie man gewinnt.

Hackesche Höfe

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