Kultur : Zähne fletschen - Der armenische Bassist singt "Lieder im Foyer"

Eckart Schwinger

Auf den Spuren von Fjodor Schaljapin bewegte sich Arutjun Kotchinian mit der Reihe "Lieder im Foyer" der Deutschen Oper. Der begabte armenische Bassist mit der hünenhaften Gestalt, der jungen, großvolumigen Stimme, dem schwarzsamtigen Timbre und dem allerdings noch etwas aufgesetzten, altmodischen Pathos dürfte 1994 nicht zufällig den Moskauer Schaljapin-Wettbewerb gewonnen haben. Seine Beziehungen zu diesem genialen russischen Sänger wurde deutlich bei der mit seiner Ehefrau Ivanna Nelson, einer so intelligenten wie feinnervigen Begleiterin, gestalteten "Hommage à Fjodor Schaljapin". Für Schaljapin, der nicht nur ein Stimmwunder, sondern auch ein phänomenaler Menschengestalter war, war das Theater das "Wunderland" schlechthin. Darauf wiesen die von Jürgen Nitschmann vorgetragenen Passagen aus Schaljapins Memoiren hin; nicht zuletzt auch seine Lieblings-Arien.

Eigenartigerweise berührte Arutjun Kotchinian weniger mit dem Monolog des Boris Godunow von Mussorgskij, den er zwar kraftvoll, aber ohne die gefährlich irrlichternden Farben sang, als mit der nicht weniger berühmten Arie des König Philipp von Verdi. Die Ängste und Sehnsüchte dieser zerrissenen Gestalt vermittelte er ungleich stärker mit seinem dunklen belkantistischen Gestus. Während den Schumann- und Schubert-Liedern der deklamatorische Schliff, die unverwechselbaren musikalischen Nuancierungen fehlten, traf er mit Schaljapins Paraderollen von Charles Gounod und Arrigo Boito ins Schwarze. Da trumpfte der baumlange Opernsänger mit seinem saftigen Komödiantentum geradezu naturalistisch auf, erzielte er mit seinem explosiven Bühnentemperament effektvoll ebenso komische wie kauzige Wirkungen.

Wie er als Mephistopheles mal einen rauhen, mal einen weichherzigen Tonfall, mal ein hingehauchtes Pianissimo herüber brachte oder einen zähnefletschenden Biß riskierte, das ließ in Umrissen Züge Schaljapinscher Gesangskünste aufblitzen.

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