Kultur : Zähne für den Haifisch

KLASSIK

Carsten Niemann

Dem Haifisch auf den Zahn zu fühlen und das mit jener coolen Lässigkeit, die der Swing verleiht – das hatten sich die Musiker von Weltblech für ihr traditionelles Neujahrskonzert im Kammermusiksaal der Philharmonie vorgenommen. Werke von Gershwin und Weill, aber auch von Bach und Theo Brandmüller lagen dafür auf den Pulten dieses international besetzten Ensembles, das einst aus der abenteuerlustigen Bläsersektion des Jeunesses Musicales Weltorchesters hervorgegangen war.

War es die satte Behäbigkeit des Publikums, die Melancholie angesichts der aktuellen finanziellen Schwierigkeiten des Mutterensembles oder der Abschied vom erfolgreichen Weltblech-Manager Jochen Schäfsmeier Neujahrsoptimismus wollte an diesem Abend nicht aufkommen. Das eröffnende Arrangement von Bachs a-Moll-Violinkonzert atmete noch etwas Anblasluft während das Publikum Brandmüllers „Danses Concertantes mit Choral“ mehrheitlich hinnahm wie den rituellen familiären Streit unterm Weihnachtsbaum, ohne den es dem übersüßen Fest an Würze fehlt.

Weltblech meisterte die Strapaze souverän und fand schließlich zur nötigen Lockerheit: Besonders Gershwins „Preludes“ sowie der „Amerikaner in Paris“ überzeugten mit rundem Ensembleklang in weicher und eleganter Höhe. Auch Weills „Mackie Messer“ hatte Biss, nur die Posaunen für Brechts Unterweltgestalten hätten noch fettigere Pomade in ihre Glissandi schmieren dürfen. Erst beim Kampf um die zweite und dritte Zugabe lief das Ensemble mit Hummelflügen und „Huh-hah“-Gebrüll zur Höhe seiner Entertainer-Qualitäten auf. Haifische brauchen echte Gegner.

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