Kultur : Zahlen aus dem Nebel

Schwarz auf weiß: Eine Studie belegt, dass der Handel in Berlin boomt

Katrin Wittneven

Der Kunstmarkt ist ein fragiles System, der mehr noch als andere Märkte Schwankungen und Moden unterworfen ist. Und die interessantesten Deals finden häufig hinter verschlossenen Türen statt. Gerade deshalb sind konkrete Zahlen so gefragt – und gerade deshalb sind sie so selten. Nun hat das Institut für Kultur- und Medienmanagement der Freien Universität Berlin 300 Berliner Galeristen, Vertreter von Auktionshäusern sowie die Organisatoren des Art Forums befragt, um repräsentative Angaben über den Handel in der Hauptstadt zu gewinnen.

Fest steht, dass der Berliner Kunsthandel ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor ist: Das Umsatzvolumen beträgt rund 110 Millionen Euro, davon erwirtschaften die Galerien rund 56 Millionen Euro, die Auktionshäuser 40 Millionen Euro und zwischen 10 und 15 Millionen Euro das Art Forum sowie Art Consultants. Doch so richtig rosig sieht es nur bei wenigen aus. Fast 40 Prozent der beteiligten Galerien generieren einen Jahresumsatz unter 50000 Euro, nur 15 Prozent der Befragten gaben einen Jahresumsatz von mehr als 400000 Euro an. Mehr noch überrascht die Angabe, dass 39,5 Prozent der Galeriekunden aus Berlin kommen. Im Vergleich dazu stammten in Köln, einem Kulturwirtschaftsbericht der Stadt aus dem Jahr 2002 zufolge, nur 25 Prozent der Kunden aus der eigenen Stadt. Ist Berlin die neue Sammlerstadt? Klagen nicht jahraus, jahrein gerade die Händler, dass der lokale Markt eher mau sei? Vielleicht hilft ein Blick auf die Befragten. Der Rücklauf der Studie lag bei 24 Prozent, das ergibt eine Zahl von 71 – allerdings anonym bleibenden – Teilnehmern. Zwar betonen die Initiatoren der Erhebung, die Beteiligung sei „repräsentativ“. Überprüfen kann man diese Angabe ebenso wenig wie diejenigen der Galeristen. So bleibt das Konkrete nebulös.

Dennoch ist die Studie lesenswert, gerade weil sie die Zahlen mit qualitativen Einschätzungen von Sammlern, Galeristen und Mitarbeitern der Auktionshäuser verbindet. Auch die Gesamttendenz der 150 Seiten starken Erhebung ist fraglos richtig: Der Berliner Kunstmarkt hat ein enormes Potenzial. Rückenwind von Senatsseite, etwa die Förderung von Messeteilnahmen, könnte das nur verstärken.

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