Kultur : Zapfenstreich

Alfons Frese

Bernd Pischetsrieder hat im Hotel Pay TV geschaut (25 Euro) und Jack Daniels getrunken (40 Euro). Bezahlt hat das nicht der Vorstandsvorsitzende von VW (Jahresgehalt: 2,6 Millionen Euro), sondern die Firma. „Wie soll man in einem Milliardenkonzern mit ein paar 100000 Mitarbeitern weltweit glaubhaft zu Kostendisziplin aufrufen, wenn man selbst so mit dem Geld des Konzerns umgeht?“ Das fragt Hans-Joachim Selenz in seinem „Schwarzbuch VW“ und kommt zu erschütternden Schlussfolgerungen. Da „in den Topetagen bei VW fast jeder jeden bestach und erpresste und alle zusammen das Unternehmen ausplünderten“, ist der Konzern am Ende. Für Volkswagen sieht es „zappenduster“ aus.

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Der frühere Stahlmanager Selenz betätigte sich inzwischen als Publizist und Politiker. Während Staatsanwälte und Wirtschaftsprüfer noch mit der Auflärung der VW-Affäre beschäftigt sind, weiß Selenz schon Bescheid und berichtet, „wie Manager, Politiker und Gewerkschafter den Konzern ausplündern“. Da gibt es viel zu erzählen über die Wolfsburger „Casa Nostra“, wie Selenz die Konzernzentrale tituliert. Und er gibt durchaus bedenkenswerte Einschätzungen, etwa die Vermutung, dass ein „hofierter Betriebsrat“ sich dem langjährigen Konzernchef Ferdinand Piech nicht in den Weg stellte, als der seine „milliardenteuren Ausflüge zu Bentley, Bugatti, Lamborghini und Phaeton“ unternahm. Doch alles in allem stört der grelle Ton, die Übertreibungen und Unterstellungen. Selenz bringt zu viel Meinung und zu wenig Fakten. Er schreibt wie jemand, der früher selbst dabei war, verstoßen wurde und nun beleidigt zusieht, wie die anderen prassen.

Hans-Joachim Selenz: Schwarzbuch VW. Wie Manager, Politiker und Gewerkschafter den Konzern ausplündern. Eichborn Verlag, Frankfurt a.M. 224 Seiten. 14,90 €.

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