„Zauberflöte“ in der Heilig-Kreuz-Kirche : Der Hölle Rache

Spiel mit den Hoffnungen junger Künstler: Eine ominöse Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“ in der Heilig-Kreuz-Kirche.

Patrick Becker
Opernnachwuchs. Die Berlin Opera Academy präsentiert Mozarts „Zauberflöte“ in der Heilig-Kreuz- Kirche.
Opernnachwuchs. Die Berlin Opera Academy präsentiert Mozarts „Zauberflöte“ in der Heilig-Kreuz- Kirche.Foto: Berlin Opera Academy

In der deutschen Hauptstadt Musiktheaterkarriere machen – das klingt für Nachwuchssolisten aus aller Welt verlockend. Die private „Berlin Opera Academy“ (BOA) profitiert vom guten Ruf der Klassikmetropole: Sie hat genug Anmeldungen, um im Rahmen ihres Sommerfestivals fünf Opern des klassischen Repertoires anbieten zu können. Alle Produktionen werden von jungen Sängern bestritten, die aus 26 Ländern nach Berlin reisen. An der BOA nehmen sie an einem umfangreichen Programm teil, in dem sie Gesangstraining, Sprachunterricht und nützliche Hinweise für den weiteren Berufsweg erhalten. So weit, so gut, aber wie sieht das Ergebnis aus?

Die BOA startet am Dienstag mit Mozarts „Zauberflöte“ in der Heilig-Kreuz- Kirche – und es fehlen die richtigen Worte, um dieses Ereignis zu beschreiben. Zunächst einmal mangels Informationen: Es gibt kein Programmheft, man muss sich die Namen der Mitwirkenden von einem versteckten Poster hinter dem Eingangsportal abschreiben. Nach einigen weiterführenden Internetrecherchen weiß man immerhin: Es ist August Lorenz, der als Papageno hartnäckig zu schnell singt. Es ist Marina Setres als Königin der Nacht, die ihre berühmte Arie vollkommen verhunzt.

Und es ist DaRell Haynes als Tamino, der schmerzhaft schief krächzt. Für die Abschlusspräsentation eines vierwöchigen Workshops ist das Ergebnis äußerst dürftig. Haynes allerdings hat für seine Teilnahme an der BOA sogar eine Fundraising-Kampagne gestartet. Erst vor einem Monat hat er so die horrende Summe von 4000 Dollar zusammenbekommen, die nötig ist, um an der BOA teilzunehmen.

Klavierbegleitung statt Orchester

An dieser Stelle wird es ominös: Der Umstand, dass die 14 Mitwirkenden des Abends einen solchen Betrag bezahlt haben, müsste ein anderes Ergebnis rechtfertigen. Oder genügt es dieser „Opernakademie“, bei Sängerinnen und Sängern aus aller Welt die Hoffnung zu wecken, sie könnten in Berlin ihrer Karriere einen entscheidenden Schub geben? In ihren Imagefilmen wirbt die BOA damit, die „realen Bedingungen“ einer deutschen Opernproduktion zu simulieren. Doch selbst in den kleinsten Stadttheatern wird hierzulande eine „Zauberflöte“ nicht bloß mit Klavierbegleitung aufgeführt.

Außerdem schicken verantwortungsvolle Mentoren Nachwuchskräfte, deren Niveau vielleicht für einen Jugendchor annehmbar wäre, gar nicht erst mit höchst anspruchsvollen Partien auf eine Bühne. Hier wird auf fahrlässige Weise mit den Hoffnungen junger Künstler gespielt.

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