Kultur : Zauberzopf - Folk im Friedrichstadtpalast

H. P. Daniels

Vor dem Friedrichstadtpalast etliche Verzweifelte, die noch Karten suchen. Ausverkauft. Trotz horrender Preise. Im Vorprogramm überzeugt der schwarze Bluesmusiker Corey Harris mit Stimme, Gitarre und stilistischer Vielfalt. Dann tosender Empfangsbeifall für Tracy Chapman. In unaufdringlich elegantem Schwarz: weite Hose, schwarzes T-Shirt, schwarze Haare, zum dichten Zopf gebunden. Und eine Akustikgitarre, die riesig wirkt an der kleinen Frau. "The best is yet to come", singt sie. Und weitere Songs der neuen CD "Telling Stories", die live lebendiger klingen als auf dem Album mit den störend sterilen Rhythmuscomputern. Die sind allerdings nur unzureichend ersetzt von einem echten Trommler, der zu laut spielt, zu polterig, zu schlampig. Dafür ist der Rest der Band hervorragend: Orgel, Bass und Gitarre halten sich dezent im Hintergrund und unterstützen umso effektiver Chapmans vorwiegend ruhige Songs. Ohne jegliche Posen, ohne künstliches Getue steht die 36-jährige Amerikanerin am Mikrofon, konzentriert, wippt fast unmerklich mit dem Körper, singt mit dieser angenehm tiefen, warmen Altstimme. Gelegentlich ein Lächeln, ein paar scheue Erklärungen zu den Songs, und hin und wieder ein paar alte Hits: "Revolution" hatte sie 1988 beim Wembley Konzert für Nelson Mandela schlagartig berühmt gemacht. Heute bewegt sie sich zwischen Folk, Blues und weichem Soul. Und wenn sie zur elektrischen Gitarre greift, kann sie auch gewaltig losrocken. Stürmischer Applaus nach zwei kurzweiligen Stunden. Und zu Bob Marleys "Get Up Stand Up" steht das Publikum geschlossen auf, um teutonisch trampelhaft gegen den Takt anzuklatschen. Und Tracy Chapman lächelt dazu. Bezaubernd.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben