Kultur : Zeichen, Fragezeichen

KUNST (2)

Daniel Völzke

Koreaner halten die Schrift für Chinesisch. Chinesen tippen auf Koreanisch. Die mehr als 4000 Zeichen, die der Künstler Xu Bing in seiner Installation „A Book From The Sky“ auf Buchseiten und Wände druckte, hat er allerdings selbst entwickelt. So stehen gelehrte wie ungebildete Chinesen, Koreaner und Europäer gleichermaßen ratlos vor dem Werk. Gerade das gefällt Xu Bing, der nun in einem Vortrag an der American Academy seine Arbeiten auf Dias und Video präsentierte. Der chinesische Künstler schätzt den spielerischen Umgang mit der Kalligrafie: So bedruckte er auch schon Tabakblätter, Zigaretten und lebende Schweine. Seine kalligrafische Fantasie scheint grenzenlos, denn unter anderem verwandelte er in einer Skulptur Fiberglas-Schriftzeichen in Vögel und entwickelte eine eigene Schrift, die englische Wörter in einem Quadrat so anordnet, dass sie auf dem ersten Blick wie asiatische aussehen.

Der 1955 geborene Künstler erfuhr bereits früh die Bedeutung des geschriebenen Wortes. Während seiner Schulzeit zwang ihn das Mao-Regime, eine vereinfachte Schrift zu benutzen. Erst später durfte er wieder zur alten Schreibweise zurückkehren. Schon vor seinem Kommen waren in Berlin Arbeiten des MacArthur-Preisträgers in der Galerie Asian Fine Arts zu sehen. Im Juli sollen sie einem größeren Publikum vorgestellt werden – im Rahmen seiner ersten großen Einzelausstellung in Deutschland im Dahlemer Museum für Ostasiatische Kunst. Zur Vorbereitung hat Xu Bing als „Coca-Cola-Fellow“ der American Academy ein Atelier am Hackeschen Markt bezogen. Dort bereitet nun also seinen nächsten Coup vor. In der American Academy wollte er allerdings noch nichts Näheres verraten.

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