Kultur : Zeit ist Raum - Leben in den kirgisischen Bergen

Kerstin Decker

Der Himmel weiß, was er tut. Er hält Abstand. Nur weit ganz draußen auf dem Meer, immer da, wo wir gerade nicht sind, probt er die Nähe. Horizont. Oder hier in Kirgistan. Ein paar Nomaden leben in den Bergen. Vor denen braucht er nicht auszuweichen.

Nach sechs Ländern, 8000 Kilometern, nach 50 Polizei- und acht Grenzkontrollen fand Frank Müller die alte Schäferin namens Bubush und Rysbek, den Geschichtenerzähler. Hier, wo die Himmel und Menschen zutraulicher sind. Doch scheinen sie nicht zugleich von fernher zu kommen? Nichts, was keine Vergangenheit hätte. Aber diese Vergangenheit ist reine Gegenwart. Alles wird sein, wie es immer schon war. So leben die Nomaden und die Berge. Die Zeit ist Raum.

Frank Müller hat dem Leben dieser Nomaden Bilder gegeben. Ein immergleicher Balken spießt durch die immergleichen Felle den immergleichen Himmel auf, um einen Sommer lang Bubushs Jurte zu tragen. Das Gesicht der alten Frau: eine Landschaft, durch das Furchen wie Täler schneiden.

In den kirgisischen Bergen bekommt man wieder ein Gefühl dafür, dass wir vielleicht nichts anderes sind als der folgenschwerste Betriebsunfall der Erde. Ein Geschlecht, das die Zeit schuf. Wo die Zeit zu herrschen beginnt, frißt sie den Raum. Vor kurzem kam die Zeit auch zu den kirgisischen Nomaden. Es ist schon ein Abenteuer, Technik und Zivilisation auf 4000 Meter Höhe zu bringen, sagt der Kanadier von der Goldmine. Die Goldmine arbeitet in strengem Takt. Sie frißt Gletscher und Berge. Kirgistan hat das größte Goldvorkommen der Erde.

Frank Müllers Film kommentiert nichts. Er lässt einen alten Sprechgesang auf die Goldmine treffen.Filmbühne am Steinplatz, Hackesche Höfe

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