Kultur : Zeit!

Meditieren im Filmkunst 66: „Buddha im Reich Gottes“

Kerstin Decker

Die „Filmbühne am Steinplatz“ wagt ab heute, täglich um 18 Uhr, ein ungewöhnliches Kino-Experiment. Sie macht den Kinosaal zum Meditationsraum. Dorothee Sölle und der Zen-Meister Thich Nhat Hanh denken zusammen über eine Bibelstelle nach – auf der Leinwand. Schon richtig, der Sprachrhythmus ist etwas gewöhnungsbedürftig, in „Black Hawk Down“ sprechen alle viel schneller. Der Versuch, religiöses Denken ins Kino zu bringen, ist ein Experiment: Sind wir solcher Langsamkeit gewachsen? Nachzudenken wäre über die Wanderung zweier Jünger nach Emmaus, die Jesus treffen und ihn nicht erkennen. Wem die Problematik des Sich-Erkennens – großes Kino-Thema! – egal ist, der ist bei „Buddha im Reich Gottes“ im falschen Film. Man sollte auch zugänglich sein für die Frage nach der Höflichkeit Gottes. Kein Fundamentalist glaubt an die Höflichkeit Gottes, weshalb Fundamentalisten nur Holzhammer-Offenbarungen erkennen. Dorothee Sölle dagegen findet es völlig normal, wenn die Jünger Jesus nicht erkennen. Thich Nhat Hanh denkt das auch, nur ein bisschen anders. Weil die Welle das Wasser eben nicht erkennt. Ob sich solche Übertragung religiös-philosophischer Vorträge in Originalzeit im Kino durchsetzt? In Hamburg lief „Buddha im Reich Gottes“ immerhin acht Wochen.

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