Kultur : Zeitgenosse

Museumsmann: zum Tod von Karl Ruhrberg

Bernhard Schulz

Düsseldorf in den sechziger, siebziger Jahren: Was waren das für Zeiten! Karl Ruhrberg steht für die Glanzzeit des rheinischen Kunstlebens, erst von 1965–72 als Gründungsdirektor der Kunsthalle Düsseldorf, der seinerzeit führenden Institution der Bundesrepublik, dann als Direktor des Kölner Museums Ludwig von 1978–84, als dort mit großer Geste und dem namengebenden Sammler als Antreiber der Neubau geplant wurde, der heute nur mehr von der Erinnerung zehrt. Zwischendurch war Ruhrberg in Berlin Leiter des daad-Künstlerprogramms, immer hart an der Gegenwartskunst und ihren Protagonisten, ganz so, wie es dem ursprünglichen Kunstkritiker gebührt. Als Kritiker hat er sich denn immer auch verstanden und den eigenen Berufsstand reflektiert: „Wir haben die Leute erst überfüttert, dann haben wir ihnen zu viel zugemutet und Belangloses aufgeschwätzt, wir haben manchmal viel Lärm um nichts oder zu wenig gemacht ...“ Goldene Worte, die seit 1976 kein Jota an Gültigkeit eingebüßt haben. Nur aus einer derartigen Haltung konnte der gebürtige Wuppertaler es wagen, zu großen Würfen anzusetzen wie dem Buch über „Kunst im 20. Jahrhundert“ oder die „Malerei in Europa und Amerika 1945– 1960“, deren jedes Kapitel sich liest, als sei Ruhrberg dabei gewesen. Das war er ja auch: Zeitgenosse aus Passion. Viele Werke, die er beschrieb, sind irgendwann einmal durch seine Hände gegangen, und die meisten Künstler, die er schilderte, hat er selbst noch kennen gelernt. „Hier schreibt nicht ein gelehrter, sondern ein gelernter Kunsthistoriker“, urteilte einmal „Zeit“-Kollegin Petra Kipphoff und lieferte damit die schönste und kürzeste Beschreibung jener glorreichen rheinischen Jahre. Gestern ist Karl Ruhrberg 81-jährig nach langer Krankheit gestorben.

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