ZEITLupe (1) : Ein Wort vom Sport

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Zwischen den Jahren wendet sich die Zeit. Ein guter Moment, sich über sie Gedanken zu machen. Heute: die Auszeit.

Sie beginnt heute. Nicht für Polizisten, Kellnerinnen, Feuerwehrmänner, Stewardessen, Köche, Krankenschwestern sowie Polizistinnen, Kellner, Feuerwehrfrauen, Stewards, Köchinnen und Krankenpfleger, ein paar Radio-, Fernseh- und gute alte holzverarbeitende Zeitungsleute nicht zu vergessen. Aber für fast alle anderen beginnt sie heute.

Sie dauert fünf Tage. Weihnachten gehört noch nicht dazu, Weihnachten ist bloß das Warming Up im Kerzenschein. Neujahr auch nicht, Neujahr ist zum Ausnüchtern nach der Krachnacht da, zum Frischchillen Richtung Zukunft. Nein, es geht um die paar Tage jetzt, exakt eine Arbeitswoche lang, das kalendarische Bermuda-Fünfeck. Das alte Jahr? Abgehakt. Das neue? Nächstes Jahr, irgendwann. Und dazwischen? Überlanges Extra-Wochenende, irgendwie.

Man könnte sie richtig genießen, diese Auszeit. Wie kommt’s, dass man es dennoch oft nicht tut? Dass man in sie reinpackt, was liegen geblieben ist an Arbeit und Freizeitprogramm, dass man, kaum ist Weihnachten vorbei, umso besinnungsloser losstürmt bis zum Hochamt der kollektiven Besinnungslosigkeit namens Silvester, endlich Silvester?

Vielleicht hilft Etymologie. Auszeit ist ein Wort vom Sport. Beim Basketball, beim Eishockey gibt es sie, beim American Football, beim Handball, sogar beim Tischtennis. Mannschaften nehmen sie sich, einmal pro Spiel oder mehrfach, eine Minute oder ein paar, und der Schiedsrichter bildet mit den Händen ein T: Timeout. Man verschnauft, ja, aber man arbeitet gleichzeitig weiter, checkt Spielzüge und Strategie. Trainer, übernehmen Sie!

Vor allem aber: Man nimmt sie sich. Die Auszeit zwischen den Jahren dagegen ist gegeben. Keine Chance, du hast sie, ob du willst oder nicht, mach was draus. Unbehaglich, das. Innehalten auf Befehl? Große Bewusstseinsarbeit, nur weil der Kalender schlappmacht einmal pro Jahr?

Noch etwas ist anders als beim Sport. Beim Timeout stoppt die Spieluhr an der Hallenwand. Bei der Auszeit – jener zwischen den Jahren oder auch jeder anderen, die sich so nennt – ist nichts aus, die Zeit am allerwenigsten. Der Countdown läuft wie immer. Nur ist er auf einmal genauer zu fühlen. Als stellte da jemand in einem Haus mit stummgeschalteten Uhren plötzlich eine Uhr auf, die tickt, unüberhörbar leise.

Und das Gefühl? Trost und Aufgabe: Es ist auszuhalten.

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