Kultur : Zen und Verbrechen

Zum Tod von Janwillem van de Wetering

Die meisten seiner Krimis waren im Herzen von Amsterdam angesiedelt. Doch ihre Protagonisten standen wie er selbst insgeheim mit einem Bein in Japan. Janwillem van de Wetering, 1931 in Rotterdam geboren, hatte sich nach turbulenten Jugendjahren Ende der fünfziger Jahre in London mit dem Zenbuddhismus angefreundet und war davon so fasziniert, dass er ihn vor Ort studieren wollte. In der Hoffnung, inneren Frieden zu finden, zog er sich 18 Monate lang in ein Kloster in Kyoto zurück und führte doch schnell wieder ein unruhiges Leben zwischen Peru, Kolumbien und Australien, um 1966 in Amsterdam die Firma seines Vaters zu übernehmen. Satori, die zenbuddhistische Erleuchtung, hatte er nicht erlangt – und fand sie auch später, nach Zenstudien bei Walter Nowick und Chögyam Trungpa, dem Begründer des Naropa Instituts in Boulder, Colorado, nicht.

Seine Erfahrungen als Zenschüler aber fanden ihren Niederschlag in Büchern wie „Der leere Spiegel“ oder „Ein Blick ins Nichts“ – Büchern, die in den siebziger Jahren einer ganzen Generation junger Europäer das zenbuddhistische Grundvokabular auf unterhaltsame Weise näher brachte. Ohne ihre Kenntnis konnte man das gute Dutzend Amsterdamkrimis, in deren Mittelpunkt der namenlose Commisssaris, Brigadier de Gier und Adjutant Grijpstra standen, eigentlich gar nicht verstehen. Die Fälle, die de Gier und Grijpstra erst bei der Mordkommission und in den letzten Büchern als private Ermittler lösen mussten, leben von paradoxen Zuspitzungen und skurrilen Dialogen, in denen sich das Unauflösbare von Zen-Koans spiegelt.

Wahre Fans lasen van de Wetering, der sich in seiner Freizeit zum Polizeisergeanten und Lieutenant ausbilden ließ, einmal auf Holländisch – und noch einmal auf Englisch. Van de Wetering war in beiden Sprachen zu Hause und machte sich einen Spaß daraus, leicht voneinander abweichende Versionen zu verfassen. Zu seinem Werk gehört aber auch eine Kinderbuchreihe um „Stachel-Charlie“ und mit Inspektor Saito eine Figur, in der Kriminalistisches und Zenbuddhistisches zusammenfließen. Am 4. Juli ist er im Alter von 77 Jahren im amerikanischen Bundesstaat Maine gestorben, wo er seit über 30 Jahren lebte. Im Dezember erscheint bei Rowohlt noch die Novelle „Der Freund, der keiner war“. dotz

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