Kultur : Zen und Zender

Friedemann Kluge

Schließe bei Hans Zenders "Bardo" für Violoncello und Orchester die Augen - und du bist nicht mehr beim Konzert der Jungen Deutschen Philharmonie im Konzerthaus, sondern in Nepal. Oder in Tibet. Du siehst vor dir gelb gewandete Mönche. "Bardo" ist dennoch keine asiatische Musik, ihr europäisches Fundament kann und will sie nicht verleugen. Und doch... Gustav Rivinius beherrscht sein Instrument - hier mit dem ungewöhnlichen Rundbogen bearbeitet - meisterhaft und fördert nachdrücklich den Eindruck, Zenders Komposition bestehen weniger aus Tönen denn aus Farben. Sofern sich ein solches Attribut überhaupt in die Musik fügt: ein philosophisches, aber auch ein meditatives Werk.

Wolfgang Rihms zweites Konzert für Viola und Orchester mit dem Titel "Über die Linie IV", das hier seine deutsche Erstaufführung erlebte, erweckt ebenfalls einen kontemplativ-sehnsüchtigen Eindruck, es besteht vor allem aus Ruhe, die sich zunehmend verdichtet. Für Solisten mit Selbstdarstellungsbedürfnis ist dies ein eher undankbares Werk, denn das Soloinstrument verschwindet - sieht man von einem diffizilen, kadenzartigen Binnenteil ab - zumeist im Tutti des Orchesters. Und das liegt nicht an der bewunderungswürdigen Leistung Tabea Zimmermanns. Zu Schuberts "Rosamunde"-Ouvertüre und seiner "Unvollendeten" nur soviel: Sie wurden von Zender weniger dirigiert als zärtlich begleitet. Etwas anderes hätte auch nicht zu diesem Abend gepasst.

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