Kultur : Ziegel, nordisch

ARCHITEKTUR

Bernhard Schulz

Mit Ziegeln, sagt der Architekt Bernhard Winking, könne jedermann selbst bauen: „Mit dem Ziegel wird das Archaische des Bauens spürbar.“ Das mag auf das selbstgebaute Haus zutreffen; die Ziegelverblendungen, wie sie an modernen Skelettbauten zu finden sind, haben mit Archaik allerdings nichts mehr gemeinsam. Und dennoch sollen derartige Fassaden etwas vom Vorgang des Bauens in Erinnerung halten, vom Aufschichten der Steine.

Der Hamburger Bernhard Winking bekennt sich ausdrücklich zur Tradition des Ziegelbaus, wie er für den Norden Deutschlands ja ohnehin charakteristisch ist. Immer wieder erlebte der Ziegelbau seine Neubelebung, im 19. Jahrhundert durch Karl Friedrich Schinkel, im 20. Jahrhundert durch den Expressionismus. Auch in den eben erst zurückliegenden Jahren ist der so unendlich variationsreiche Ziegelstein als Fassadenmaterial wieder zu Ehren gekommen. Winking baut meist in seiner Stadt Hamburg; in Berlin hat er – neben dem Haus an der Ecke des Pariser Platzes zur Ebertstraße, das er mit einer Natursteinfassade versah – die 1998 fertig gestellte Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf entworfen. Dessen gelbe Ziegelfassaden sorgen dafür, dass man sich in Dänemark wähnt.

Über die Ziegelbauten Winkings liegt jetzt ein Buch von Tagesspiegel-Mitarbeiter Jürgen Tietz vor, das die entsprechenden Projekte zusammenfasst und ein programmatisches Gespräch mit dem Architekten voranstellt („Von der Schönheit des Ziegels“, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2003, 112 Seiten, 105 Abb., gebunden 24,90 Euro). Es sind unaufgeregte Bauten; am schönsten da, wo der Architekt ganz dem tradierten Baumaterial vertraut wie etwa beim Finanzrechenzentrum der Stadt Cottbus. „Wichtig ist, gute Häuser zu bauen“, so der Architekt. Egal mit welchem Baustoff.

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