Kultur : Ziegendreck

Sybill Mahlke

Der kleine Muck wird von einem neunjährigen Mädchen dargestellt, das seine Sache nicht schlecht macht. Zwei reifere Kobolde stehen ihm zur Seite, um das Kind mit hilfreichen Ratschlägen und das Publikum mit gereimten Informationen über den Verlauf der Handlung zu versehen. Obwohl die beiden Frauen jung sind, ist ihre Gebärdensprache von vorgestern, aus dem Fundus des Rollenfachs "pfiffige Bediente". Dann taucht eine Ballerina auf, die sich Zauberkatze nennt und tänzerischen Ehrgeiz zur Schau stellt wie die kleinen Katzen auch und die Haremsdamen im Orientmilieu, denn hinter der Produktion steckt das Ballettensemble der Musikschule Fanny Hensel. Daraus ergibt sich, dass dem Unterhaltungsbedürfnis des Sultans oder Königs nur mit ballettösem Divertissement beizukommen ist.

Es spricht nicht von vornherein gegen das Musical, wenn es von dem gleichnamigen Märchen abweicht. Bei Wilhelm Hauff ist "Der kleine Muck" ein alter Geselle von sonderbarer Gestalt. Mächtiger Schädel, zierliches Körperlein. Nur alle vier Wochen geht er aus seinem Haus. Natürlich ist der Muck männlich, ein Zwerg, kein niedliches Mädchen, er lebt am Ende "in großem Wohlstand, aber einsam; denn er verachtet die Menschen", so der romantische Erzähler.

Buch und Regie von Volkmar Neumann, einem Urgestein des Berliner Friedrichstadtpalastes, wo er 60 Inszenierungen herausgebracht hat, halten sich an die äußerlichen Abenteuer: Der kleine Muck geht auf Wanderschaft, weil er aus seinem Vaterhaus gejagt wird, findet Unterschlupf bei einer Katzenhüterin, verliert die Stelle, gewinnt mit Schnellläuferpantoffeln einen Wettlauf vor dem König und mittels eines Zauberstäbleins Gold. Trotzdem wird er erneut verstoßen und rächt sich, indem er köstliche Feigen feilbietet, durch deren Verzehr dem königlichen Genießer Eselsohren wachsen.

Eher grotesk als lustig liest sich die Vorlage, während das Bühnenstück mit "großem Glück" endet. Eine Art "Cats" für Kids mit Katzentango (Musik: Lexa Thomas) könnte durchgehen, wäre da nicht die Abwesenheit jeglicher darstellerischen Professionalität zu beklagen. Playback mit Stimmen nervt das Ohr. Die hoffnungsvollen Künstlerinnen von morgen wären in einer Aula am Platz, aber sie sollen im Theater des Westens noch viele Male spielen, bis 30. Dezember: "Meck, meck ... Ziegendreck."

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