Zig Zag Jazzfestival : Luftgeister mit Bodenhaftung

Das Berliner Zig Zag Jazzfestival geht mit Musikern von Weltrang wie Dave Holland oder Gilad Hekselman in die zweite Runde.

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Kristallklar. Gilad Hekselman und seine Victor-Baker-Gitarre.
Kristallklar. Gilad Hekselman und seine Victor-Baker-Gitarre.Foto: promo

Eigentlich müssten sie sich noch immer die Augen reiben. Denn als Dimitris Christides und Willi Hunz vor anderthalb Jahren die Kleinkunstbar Noyman Miller in einen Jazzclub verwandelten, konnten sie nur beten, dass sie im ausgehberuhigten Friedenau ein Publikum finden würden. Doch mit Freundlichkeit, Insistenz, einem kuschligen Sofa-Ambiente und engen Kontakten in die Musikerszene hat sich das Zig Zag in kürzester Zeit junge und alte Stammgäste erspielt, die blind darauf vertrauen, dass hier etwas passiert. Zwischen Lokalmatadoren und internationalen Gästen, avanciertem zeitgenössischen Jazz, Ethno, Funk und Soul, hat sich eine enorme stilistische Breite entwickelt. Der Lohn, auch wenn die Betreiber nach wie vor mit jedem Euro rechnen müssen, ist nicht ausgeblieben. Neben dem Donau 115 und dem A-Trane ist das Zig Zag gerade als einer von drei Berliner Jazzclubs mit dem Applaus, einem mit 25 000 Euro dotierten Preis aus dem Haus von Monika Grütters, für das Programm unabhängiger Spielstätten ausgezeichnet wurden.

Das Zig Zag lebt wie die meisten Clubs von Kontinuität. Von Zeit zu Zeit aber packt Christides der Ehrgeiz, und er greift nach den Sternen. Im letzten Jahr war noch die Londoner Mäzenin Maggie Black behilflich, ein Festival aus dem Boden zu stampfen, bei dem etwa Mark Turner, einer der subtilsten Tenorsaxofonisten unserer Zeit, solo und im Quartett zu hören war. Dieses Jahr hat man ganz in die eigene Tasche starren müssen, aber so lange kalkuliert, bis es nicht mehr nach Harakiri aussah, von kommendem Mittwoch an fünf Tage lang Musiker einzuladen, die man in einer solch intimen Umgebung sonst kaum noch erlebt.

Was bedeutet im Jazz schon Alter?

Zum Beispiel Dave Holland, den gerade 70 Jahre alt gewordenen Kontrabassisten, der mit seinem neuen Quartett Aziza und der gleichnamigen CD im Gepäck den Auftakt bestreitet. Eine Band der Bandleader, mit dem aus Benin stammenden Gitarristen Lionel Loueke, dem Saxofonisten Chris Potter und dem Meisterdrummer Eric Harland, der sich noch in den ungeradesten Rhythmen mit Hollands kraftvoll-beweglichen Linien paart. Aus der mittleren Generation ist der amerikanische Trompeter Dave Douglas angekündigt: ein virtuoses Chamäleon, dem Elektronisches so nahe ist wie Klezmer oder die auskomponierte Großform. Zusammen mit dem Pianisten Frank Woeste hat er sich zu einem Quartett namens Dada People zusammengetan, dessen Musik sich von Leben und Werk Man Rays hat inspirieren lassen. Aber was bedeutet in diesen Zusammenhängen überhaupt Alter? Gilad Hekselman, 1983 in Israel geboren und mittlerweile in New York zu Hause, gehört zusammen mit Julian Lage zur Spitze einer neuen Generation von Gitarristen, die nicht nur Pat Metheny, John Scofield und Bill Frisell beerbt, sondern auch schon Kurt Rosenwinkel und Ben Monder in ihren Personalstilen amalgamiert hat.

Er pflegt einen meist kristallklaren, leicht angehallten Ton, der seine Linien in ihrer ganzen Sanglichkeit erstrahlen lässt. Nur manchmal mit Effekten angedickt und aufgerauht, lassen sie sein perlendes Single-Note-Spiel ins Akkordische fließen und zurück. Hekselmans Alben „This Just In“ (mit Mark Turner am Saxofon) und „Homes“, beide mit Marcus Gilmore am Schlagzeug, vermitteln einen erfrischenden Eindruck von der luftigen Dichte einer Musik, in der sich Verhaltenes und Hochenergetisches die Waage halten. Ins Zig Zag kommt er nun mit seinem langjährigen Weggefährten Joe Martin am Bass und dem Berklee-Absolventen Kush Abadey am Schlagzeug. So bald wird man diesen drei aus nächster Nähe wohl nicht wieder auf die Finger sehen können.

Zig Zag Jazzfestival, 16. – 20. 11, Hauptstr. 89, Berlin-Friedenau, www.zigzag-jazzclub.berlin

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