Kultur : Zirkus Kino

Perfekter könnte das Timing kaum sein: Parallel zum Start der neuen Show "Quidam" präsentiert der Cirque du Soleil nun auch einen Film, inspiriert allerdings von der älteren Produktion "Alegria". Vor ein paar Jahren verzauberte sie die Berliner - ob der Film nun eine ähnliche Begeisterung auslösen wird? Eine Dokumentation hatte das kanadische Zirkusteam keinesfalls im Sinn, sein Ehrgeiz zielte auf eine eigene Spielfilmhandlung, für die das Bühnenprogramm lediglich den Hintergrund abgeben sollte. Wer Alegria von Franco Dragone live gesehen hat, kann das nur bedauern, denn der Zuwachs an erzählerischen Elementen bringt die gelungene Balance zwischen Poesie und Akrobatik nicht unerheblich ins Schleudern. Denn: Die magische Manegenwelt wird verlassen und um eine zuckersüße Liebesgeschichte erweitert, die sich zum Teil in der "realen" Welt abspielt. Und natürlich ist die amour fou zwischen dem melancholischen Straßenkünstler Frac (René Bazinet) und der Zirkussängerin Giulietta (Julie Cox) ein Happy-End beschieden. Fast ist das schon alles, was sich über Fracs Liebessehnsüchte und die Hindernisse, die ihrer Erfüllung von Giulettas Vater Fleur (Frank Lagella) in den Weg gelegt werden, sagen läßt; ansonsten ist leider viel Leerlauf durchzustehen. Daran locker angeknüpft wird das finstere Geschehen um die armen gefangenen und grausam ausgebeuteten Waisenkinder. Streng bewacht von bösen Wächtern, müssen sie immer nur Blumen verkaufen - doch ob der beabsichtigte Hinweis auf das Schicksal von Millionen arbeitender Kinder dieser Welt verstanden wird, ist fraglich. Allenfalls denkt man bei diesen Szenen an "Oliver Twist". Bereits zehn Produktionen hat der Regisseur für den Cirque du Soleil inszeniert, da ist es erstaunlich, daß er nun mit seinem Debüt als Spielfilmregisseur so wenig von seinem selbst erschaffenen Zirkus-Wunderland, das die Zuschauer wohl am meisten interessieren dürfte, übrig läßt. Ein bißchen Tanz, ein paar Clownerien und eine Prise Bodenakrobatik: Das ist schon alles, was von der weltweit berühmten Choreographie in den Film genommen wurde. So gesehen, eine Mogelpackung: Der - allzu große - Rest ist wenig attraktiv. C. Rh.

"Alegria" läuft auf zehn Berliner Leinwänden

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